Israel hat einen halben Präsidenten. Solange die strafrechtliche Untersuchung gegen ihn andauert, wird Ezer Weizman - außer in absoluten Notfällen - niemanden begnadigen und keinen Richter vereidigen. Ihm bleibt nur das rein Zeremonielle. Mehr darf er nicht, bis geklärt ist, warum ihm der französische Millionär Saroussi jahrelang Geld geschenkt hat.

Weizman, der weiter seine Unschuld beteuert, ließ sich nur widerwillig die Flügel beschneiden. Von einer Beurlaubung oder gar einem Rücktritt, wie er immer lauter gefordert wird, will er nach wie vor nichts wissen. "Ein Mann, dessen Gewissen rein ist, hat keine Angst und läuft nicht davon." Doch selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass er nicht gegen Gesetze verstoßen hat, bleibt ein moralisches Problem, das der sonst so prinzipienfeste Politiker zu verkennen scheint: Wer ein öffentliches Amt bekleidet, sollte sich mit seinen Bezügen begnügen und auf andere Zuwendungen verzichten.

Für die skandalgeplagten Deutschen ist aber ein halber israelischer Präsident auf jeden Fall besser als gar keiner. Denn Bundespräsident Johannes Rau würde gern bei seinem sorgfältig vorbereiteten Staatsbesuch Mitte Februar von Weizman empfangen werden.