Des Moines, Iowa

Alle sind zufrieden. Lorraine will zu Hause die Champagnerflasche knallen lassen, ihr Mann Tom wird mit ihr anstoßen, und Tochter Whitney sinnt schon über den kürzesten Weg zur Wahlparty nach. Noch steht die Familie in der grauen Schulaula und debattiert über die Wahlergebnisse. Alle drei haben beim Startschuss der amerikanischen Präsidentschaftswahlen, dem caucus in Iowa, für jeweils einen anderen Kandidaten gestimmt. Die Eltern wünschen sich die Republikaner John McCain oder George Bush ins Weiße Haus, die Tochter schwärmt für den Demokraten Bill Bradley. Und alle drei hoffen nach diesem Abend weiter. "Das ist spannend", murmelt Whitney zum wiederholten Male und wippt von einem Bein auf das andere.

Vater, Mutter und Tochter May sind nicht die Einzigen, die an diesem Montagabend im Mittleren Westen der USA strahlen. Eigentlich feiern in den großen Hotels im Zentrum von Des Moines, der Hauptstadt von Iowa, nur Sieger.

Am heftigsten strahlen die Favoriten der beiden Parteien: Vizepräsident Al Gore, der zu aller Überraschung zwei Drittel der demokratischen Wählerstimmen bekommen hat, ruft sichtlich erleichtert: "Nun beginnt der Kampf erst richtig." Der Republikaner und Gouverneur von Texas, George Bush, erklärt nach seiner Erstplatzierung kurzerhand "den Anfang vom Ende der Clinton-Ära".

Doch damit nicht genug. Der millionenschwere Verleger Steve Forbes siegte, weil er einen ungeahnt guten zweiten Platz belegt hat und gemeinsam mit den anderen christlich-konservativen Kandidaten mehr als die Hälfte der republikanischen Stimmen erringen konnte. Senator John McCain, ebenfalls republikanischer Kandidat, der in diesem Bundesstaat erst gar nicht um die Wählergunst warb, interpretiert im Fernsehen ein paar unverhoffte Prozentpunkte als Anfang seines Sieges. Und selbst Bill Bradley, der demokratische Verlierer des Abends, feierte vor laufenden Kameras einen Achtungserfolg - während seine Einflüsterer im Presseraum positive Umfrageergebnisse aus anderen Bundesstaaten präsentierten.

Wahlspielereien und Medienspektakel

Der caucus in Iowa, die erste Entscheidung über die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, ist eine verrückte Mischung aus basisdemokratischen Wahlspielereien und wildem Medienspektakel. Zwar ist der Staat viel zu klein, als dass sein Ergebnis bei der Kandidatenkür durch die Parteitage noch Gewicht hätte - Kritiker verdammen ihn deshalb regelmäßig als überflüssiges Spektakel. Dennoch können Bürger dieses Bundesstaates mit ihrer Stimme Favoriten küren, Träume hoffnungsfroher Kandidaten beerdigen und neue Themen setzen - bevor der Rest des Landes überhaupt an den Wahlkampf denkt.