Dass die groteske Londoner Bürgermeisterwahl eine abgehalfterte Celebrity locken würde, die eine Entschuldigung für ihren Abgang sucht, war absehbar.

Und tatsächlich, nun biss Malcom McLaren an. McLaren, der alternde Popgruppen-Manager, der vor langer Zeit die Sex Pistols entdeckte, aber sonst nichts Nennenswertes. Lang und breit kündigte er seine Absicht, als Unabhängiger zu kandidieren, in dem Magazin New Statesman an.

Sein Manifest kommt so daher, wie man es von einem alternden Exhibitionisten erwartet, der viel Zeit hat und mit Ideen wie holografischen Polizisten und Bordellen gegenüber dem Parlamentsgebäude aufwartet. Doch Malc hat auch ein großes Gesamtbild vor Augen: Obwohl es so viele Restaurants, Coffeeshops und Konsummöglichkeiten wie nie zuvor gibt, macht London einen langweiligeren Eindruck denn je. Die Cappuccinobar-Kultur, von der Tony Blair so schwärmt, dominiert Londons Lifestyle komplett.

Entschuldigung - ist das derselbe Malcom McLaren, der die letzte Hälfte der siebziger Jahre über die englische Rückständigkeit lamentiert hat? Wer hat uns denn Seite an Seite mit seiner schwachsinnigen Partnerin Vivienne Westwood bis zum Gehtnichtmehr vorgehalten, wir sollten uns eine Scheibe von unseren europäischen Verwandten abschneiden? Vor zehn Jahren war es für linksorientierte Mittelklassetypen wie McLaren ein absolutes Muss, von Cappuccinobars zu schwärmen, aber das war natürlich in jenen Tagen, als noch kein Busfahrer was von Cappuccino gehört hatte. Seit wir bis zu den Knien in dem Zeug stecken, propagiert er lieber die Rückkehr zu guten alten Dickensschen Zeiten, als zuzugeben, dass er selbst, verdammt noch mal, damit angefangen hat.

Der selbst ernannte Kunstterrorist könnte kauziger und reaktionärer nicht klingen. Als er neulich von Radio 4 für die renommierte Sendung Today in seinem Domizil interviewt wurde, wirkte McLaren konfus und verließ den Raum, noch während sein Interviewpartner redete. Wir dürfen von ihm jetzt wohl täglich Äußerungen erwarten - zu so brennenden Themen wie: Welcher Tag ist heute?

ÜBERSETZUNG REGINE REIMERS FOTO HARRY BORDEN/ AGENTUR FOCUS Julie Burchill schreibt jede Woche aus London. Ihr Buch Verdammt, ich hatte Recht ist bei Rowohlt erschienen.