Es ist allenfalls ein Achtungserfolg, den Finanzminister Hans Eichel aus Fernost mitgebracht hat. Chinas Regierungschef Zhu Rongji hat versprochen, den deutschen Kandidaten Caio Koch-Weser für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu unterstützen. Aber das ist nicht allzu viel wert. China hat im IWF einen Stimmenanteil von gerade einmal 2,2 Prozent.

Die deutsche Bewerbung um eine der wichtigsten Positionen in der globalen Finanzwelt könnte der erste Flop in Eichels bisher erfolgreicher Amtszeit werden. Der neue Superstar in Gerhard Schröders Kabinett hat den Richtungsstreit um die künftige Rolle des IWF sowie den Widerstand wichtiger Mitgliedsländer unterschätzt und den eigenen Kandidaten überschätzt. Und weil sich auch Schröder mit dem ganzen Gewicht seines Amtes für den Aspiranten stark gemacht hat, kann bei einem Scheitern auch die Reputation des Kanzlers selbst beschädigt werden.

Dabei hatten die Berliner zunächst geglaubt, sie hätten gute Karten, um ihr Interesse an mehr internationalem Einfluss bei der Besetzung des Topjobs beim IWF durchsetzen zu können. Kaum hatte der bisherige Amtsinhaber, der Franzose Michel Camdessus, im vergangenen November seinen vorzeitigen Rückzug für Mitte Februar angekündigt, brachten die Deutschen ihren Finanzstaatssekretär Koch-Weser ins Spiel. Die Franzosen, die schon dreimal den Chef stellten, würden den deutschen Anspruch akzeptieren, ließ Eichel streuen - voreilig, wie man inzwischen weiß. Dasselbe galt für die Vermutung des Ministers, die Amerikaner würden Koch-Weser freundlich aufnehmen

schließlich hätten sie ihn während seiner 26-jährigen Tätigkeit bei der Weltbank in Washington kennen und schätzen gelernt.

Eichel und Schröder waren sich sicher, einen vorzeigbaren Bewerber zu präsentieren. Koch-Weser, eine Entdeckung Schröders, war vor seinem Wechsel in das Bundesfinanzministerium zweiter Mann in der Weltbank, dem Schwesterinstitut des IWF. Seine Intelligenz wird von niemandem bestritten, der mit ihm gearbeitet hat. Der Beamte mit deutschem und brasilianischem Pass gilt als weltgewandt, international erfahren, sicher im Auftreten, spricht sechs Sprachen - eigentlich ein "hervorragender Kandidat", wie ihn Eichel noch vor den Finanzministern des G-7-Treffens am vergangenen Wochenende in Tokyo lobte.

Doch ihm fehlt das politische Standing - das hat er sich auch in den elf Monaten, die er inzwischen Staatssekretär im Finanzministerium ist, noch nicht erworben. Manche seiner Stärken sind zugleich seine Schwächen. Er handelt, wie Insider berichten, diplomatisch, vermittelt, greift nicht durch.

"Er will", sagt ein Spitzenbeamter, "everybody's darling sein." Wer als Journalist im Ministerium nach konzeptionellen Reden oder Papieren Koch-Wesers fragt, geht leer aus. Auch Mitarbeiter rätseln, welche Konzeption er verfolgt: "Wir wissen nicht, wofür er steht."