In einem Traum-Abendmantel wird sie auftreten. Eigentlich, sagt sie wie im Scherz, müsste man mich wählen: Erina Prinzessin von Sachsen und Herzogin zu Sachsen, 78 Jahre alt, ist nicht nur das gleißendste Jurymitglied der diesjährigen Miss-Germany-Wahl in Berlin, da mag das junge Gemüse mit den Endlos-Beinen (Bild) in der sexiesten Bademode posieren: Diese Prinzessin ist die heimliche Königin!

Wer ihre Geschichte hört, muss weinen. Als Aschenputtel ward sie in die Welt geworfen, als eins von sieben Kindern, als Tischlertochter und als Erna. Zu allem Überfluss musste sie das Licht der Welt in Emden/ Ostfriesland erblicken. Zwei Ehen sollten scheitern, bis er kam: der Prinz. Timo war sein Name, und er war Enkel des Sachsenkönigs Friedrich August III. Timo hatte schon in mehreren Damenschuhen Blut entdeckt. Erna passte der Schuh, und zum Dank schenkte Timo ihr ein i für den Vornamen und eine Prinzessin für den Rest. Viel mehr hatte er leider nicht. Nach acht Jahren Ehe segnete er das Zeitliche. So war die Prinzessin gezwungen, in Möbelhäusern aufzutreten und gegen Bares Dummköpfe zu adoptieren, die sich dann Prinz nennen durften. Kein schönes Leben.

Die böse Presse aber nannte sie Ulknudel, Münzen-Erna (weil sie einst mit Münzen handelte) und eine schillernde Person, die das blaue Blut des deutschen Adels durch Adoptionen verwässert habe. Doch am Schluss lachte sie am besten: 1996 entdeckten Schatzsucher aus Dresden bei Schloss Moritzburg einen Schatz im Werte von rund 50 Millionen, den Sachsenschatz. Erina aber war ein Kopf in der neunköpfigen Erbengemeinschaft. Und es erfüllte sich, was die Prinzessin schon immer prophezeit hatte: Irgendwann kommt noch mal was ganz Dickes. Dann werde ich reich. Und wenn sie nicht gestorben ist ...

Ach was, sie ist, man wagt das Wort kaum auszusprechen im Zusammenhang mit einer königlichen Hoheit, quietschfidel. Diesen Donnerstag wird sie zum 103.

Mal in einer Miss-Wahl die Punkte verteilen, Schulter an Schulter mit den Juroren Jan Ullrich und Nicole Uphoff vom Sport, mit Cindy und Bert, Mary Rose und weiteren Recken des Showbusiness. Der ebenfalls jung gebliebene Dieter Thomas Heck wird moderieren, wenn es darum geht, die ideale Synthese aus Figur, Ausstrahlung, Intelligenz und jenem gewissen Gang (Zitat Prinzessin) zu krönen, der für die korrekte Präsentation von Bademode unabdingbar ist. Tatsächlich hat schöne Dummheit keine Chance aufs Miss-Germany-Krönchen, wie auch der Veranstalter, Herr Horst Klemmer aus Oldenburg, niemals müde wird zu betonen.

Die Intelligenz testet Dieter Thomas Heck in kleinen Gesprächen. Um aber die ganze Wahrheit zu sagen: Auch ein geradezu einsteinscher Geist würde einen körperlichen Mangel nicht wettmachen. Die Prinzessin: Es wird keine Miss, die O-Beine hat, selbst wenn oben alles in Ordnung ist.

Weil es in der Vergangenheit immer wieder Verwirrung gab, weil regelmäßig von verschiedenen Veranstaltern bis zu vier Miss Germanys gleichzeitig gekürt wurden, darf der Hinweis nicht fehlen, dass nämlicher Herr Klemmer, seit 40 Jahren im Dienst der Schönheit, es jetzt geschafft hat: Seine Miss Germany ist die einzige, die sich so nennen darf. Seit dem 27. Dezember 1999 ist Miss Germany beim europäischen Patentamt eingetragenes Wortzeichen und sein Eigentum. Der Spaß hat ihn 60 000 Mark gekostet. Klemmer: Wer jetzt noch den Titel Miss Germany nutzt, kriegt von mir auf die Zwölf. Auf die Gefahr hin, von Herrn Klemmer auf die Zwölf zu kriegen, wollen wir hier ausrufen: Die wirkliche Miss Germany 2000 heißt Erina, Prinzessin von und Herzogin zu Sachsen. Sie lebe hoch!