Dollere Kapriolen als die Börse schlägt nur das Wetter. Im Sommer 1587 fiel Schnee am Rhein, und 1816 donnerte bei Chur eine Lawine ins Tal - mitten im August. Ob die Irrungen des Klimas seit damals zugenommen haben, darüber streiten die Geowissenschaftler. Stark gestiegen sind jedenfalls die finanziellen Folgen: Mehr als 700 große Naturkatastrophen allein im vergangenen Jahr hinterließen weltweit einen Schaden von 100 Milliarden Dollar. Fegt dann noch ein Orkan wie Lothar über Mitteleuropa hinweg, fällt das materielle Malheur gewaltig aus.

Von solch einem Unglück leben Rückversicherer, jedenfalls indirekt. Ihnen bescherte die moderne Industriegesellschaft einen Boom. Wenn wir uns gegen abgedeckte Dächer und umgestürzte Autos, gegen Krankheit, Feuer und Tod absichern, sucht der von uns ausgewählte Versicherer selber Rückendeckung.

Die findet er zum Beispiel bei der Münchener Rück, dem weltweit größten Rückversicherer. Jährlich kassieren die Bayern dafür Prämien von rund 25 Milliarden Mark.

Nun ist das Versichern der Versicherer nicht immer ein goldenes Geschäft.

Überkapazitäten dämpfen die Gewinnmargen. Das schon traditionelle Minus im eigentlichen Rückversicherungsgeschäft - allein Lothar soll bis zu einer Milliarde kosten - versucht der Konzern daher anderweitig auszugleichen: durch die Erträge aus den üppigen Kapitalbeteiligungen.

Die Strategie des heimlichen Riesen unter den im Dax notierten Aktien findet unter Experten durchaus Anklang. Auf das Dauerminus im Kerngeschäft hat die Münchener Rück nämlich mit dem Aufbau zweier weiterer Standbeine reagiert. Im Ringtausch mit der Allianz wurde 1997 aus den Versicherern Hamburg-Mannheimer, DKV und Victoria die Ergo geschaffen. Beim Verkauf von Lebensversicherungen und Hausratpolicen folgt Ergo jetzt hinter der Allianz als zweitgrößter Erstversicherer. Das bringt dem Mutterhaus in der Münchner Königinstraße weitere 25 Milliarden Mark an Prämien ein. Das dritte Standbein bildet seit Dezember die Spekulation mit fremdem und eigenem Vermögen durch eine neu gegründete Tochtergesellschaft. Verwaltet werden über 250 Milliarden Mark.

Jahrelang galt die Aktie unter Kennern als Schnäppchen. Die Milliardenwerte spiegelten sich weder in der Bilanz noch im Kurs wider. Dank seiner Beteiligungen an der Allianz (25 Prozent), an der Deutschen und Dresdner Bank (jeweils um zwei Prozent) sowie an der HypoVereinsbank (6,5 Prozent), gehört das Unternehmen zum Kern der eng vernetzten Deutschland AG.