Ein Gespenst geht um in Europa: der Unternehmergeist angloamerikanischer Prägung. Selbst der bedrängte Mannesmann-Chef Klaus Esser redet vom "unaufhaltsamen" Vormarsch des "Shareholder-Value", des Aktionärskapitalismus nach angelsächsischem Vorbild. Und die Beweise für dessen Überlegenheit erscheinen erdrückend.

Wir rekapitulieren. In der Unternehmensführung à la Shareholder-Value geht es immer um das eine: den "Unternehmenswert im Sinne des Marktwertes des Eigenkapitals zu maximieren" (Gabler Wirtschaftslexikon). Man könnte auch sagen, dass die Besitzer eines Unternehmens - die Aktionäre - möglichst viel Geld verdienen wollen und dass daher das Unternehmen auch viel Geld verdienen sollte. Darauf wäre hierzulande nie einer gekommen.

Und in den einschlägigen Managerjournalen ist dann auch nachzulesen, wie gut die Sache funktioniert. Zu den neuesten Forschungsergebnissen gehört die Studie einer großen Londoner Investmentbank: Unternehmen, die den Aktienwert maximieren, haben im Schnitt ihren Aktienwert maximiert. Besonders weit lehnt sich die Goethe-Universität Frankfurt (Abteilung Finanzen und Buchhaltung) aus dem Fenster: Unter Aktionären würde Shareholder-Value heutzutage "vermutlich umso eher akzeptiert, je lohnender es für die Aktionäre ist".

Der Vorsprung der Amerikaner kommt nicht von ungefähr. Sie hatten 1986 den Professor Alfred Rappaport vorgeschickt, der mit seinem Buch Shareholder Value die Welle erst auslöste. Zyniker unter Betriebswirten hielten das Buch damals für den Wiederaufguss einer uralten Managementweisheit, andere begriffen den wahren Wert: Weder Rappaport noch seine Gefolgschaft haben in den letzten 15 Jahren endgültig erklärt, wie man es eigentlich macht - das Aktionärsinteresse maximieren. Die Auslassung hat Beraterfirmen schon Milliarden eingebracht. Aber wann genau soll eigentlich der Aktienwert maximiert werden? Ständig? Jedes Vierteljahr? Ganz langfristig? Mit Shareholder-Value kann man inzwischen das Festhalten an altgedienten Mitarbeitern ganauso begründen wie Massenentlassungen. Für den wertbewussten Manager hat all das eine befreiende Flexibilität gebracht.

Umso unverständlicher erscheint es, dass sich nun ausgerechnet ein britisches Unternehmen von diesem Konzept abgewandt hat. Portman, die fünftgrößte Bausparkasse auf der Insel, hat kürzlich "mehrere hundert" Kunden hinausgeworfen. Die hatten dafür gestimmt, das genossenschaftliche Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Wer zurückkommen will, muss eine Zusatzklausel unterschreiben. Eventuelle Aktiengewinne sind sofort einer wohltätigen Stiftung zu vermachen.