Prinzip Übertreibung

Der Neue Markt ist ganz so neu nicht mehr. Im März 1997 wurde er als das Wachstumssegment der Deutschen Börse eingeführt. Rund 200 Unternehmen werden dort notiert, vor allem Software-, Medien- und Technologiewerte.

Vorbild ist die amerikanische Börse Nasdaq, bald 30 Jahre alt nun schon. Die Nasdaq ist der zweitgrößte Wertpapiermarkt der Welt, knapp 4800 Unternehmen werden dort gehandelt. Und wenn es da scheppert, duckt sich die Börsenwelt.

Derlei lässt sich dem Neuen Markt nicht nachsagen. Aber scheppern tut es dort auch ganz schön. Dabei geht das Kursfeuerwerk gern in alle Richtungen los, wenn auch letztlich bislang nach oben. Der Ende 1997 mit 1000 Punkten gestartete allumfassende Nemax-All-Share-Index ereiferte sich bis zum Februar 1999, nach heftigem Hin und Her, erstmals auf 4000, sackte im Herbst noch einmal tief durch, nahe 3000, und steht nun bei 5300. Und der Nemax 50, Hort der 50 gewichtigsten Unternehmen, tat es seinem großen Bruder getreulich nach - auf höherem Niveau. Ende vergangenen Jahres, gerade als die meisten Wertpapieranalysten Gewinnwarnungen von sich gaben, nahm er unbeeindruckt die Hürde 5000 (heute etwa 6100).

Die Gründe dafür, dass die Dynamik, gelinde gesagt, uneinheitlich ist, sind vielfältig und lassen sich doch zu einem Begriff subsummieren: Übertreibung.

Übertreibung aus noch fehlender Erfahrung der Marktteilnehmer: zu hohe oder zu niedrige Emissionskurse

zu viele Neuemissionen - 140 der 170 Börsenstarts im vergangenen Jahr ereigneten sich am Neuen Markt

aggressive Überbewertung durch Analysten, aber auch in der Selbstdarstellung.

Prinzip Übertreibung

Allerdings glauben die Beobachter, dass sich die Szene noch bereinigen werde, dass sie Konzentrationsvorgänge erleben werde und auch Pleiten. Thomas Haffa, Chef von EM.TV, beruhigt: "Der Neue Markt ist mittlerweile stark genug, um auch Flops zu verkraften."