Sie hatten nur einen Abend in Paris. Und den verbrachten sie mit Dieter Holzer. Vier Abgeordnete des Rechtsausschusses waren im Dezember 1996 nach Italien und Frankreich gereist, um sich zu bilden. Doch statt mit ihren Kollegen über "Bestrebungen zur Bekämpfung der Korruption" zu sprechen, wie der Reisebericht vorgab, empfing sie Deutschlands vielleicht erfolgreichster Lobbyist: Dieter Holzer, gegen den derzeit wegen seiner Verstrickungen in den Verkauf der Leuna-Werke ermittelt wird.

Einer der vier, der frühere FDP-Abgeordnete Detlev Kleinert, wusste schon damals nicht, "wie dieses unübliche Treffen zustande kommen konnte". Das fragen sich heute fast alle. Wolfgang von Stetten (CDU) kann sich gar nicht mehr so richtig erinnern, und der SPD-Parlamentarier Eckhart Pick, inzwischen Staatssekretär im Justizministerium, weiß nichts "von so einer Veranstaltung" und will "einen Herrn Holzer" überhaupt nicht kennen. Im Bericht, den die Deutsche Botschaft ans Auswärtige Amt schickte, liest sich das anders. Dort ist die Rede von einem "privaten Abendessen, gegeben von Herrn Dieter Holzer". Dass die Diplomaten mit maliziöser Zurückhaltung von einem "Sonderprogramm" für die vier sprachen, hat einen simplen Grund: Per Amtserlass waren sie gebeten worden, das eigenartige Treffen ins Besuchsprogramm aufzunehmen - "auf Wunsch des Abgeordneten Norbert Geis unter Hinweis auf die langjährige persönliche Bekanntschaft mit Herrn Dieter Holzer".

Norbert Geis, als CSU-Mann der Vierte im Bunde, hat das anders erlebt. Holzer sei ihm "bei einem Händeschütteln" 1995 erstmals begegnet und habe halt gesagt: "Du, ich bin manchmal in Paris, komm mich doch mal besuchen." Nichts anderes ist geschehen.