Die deutsche Gewerkschaftsbewegung schreitet unaufhaltsam von Sieg zu Sieg. Nächste wichtige Etappe ist im kommenden Jahr die Gründung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, kurz Verdi, die - einig, stark, modern - die bislang eher verzagte Angestelltenschaft massenhaft von der Schlagkraft kollektiver Interessenvertretung überzeugen wird.

Nun aber zurück ins Hier und Jetzt.

Dort haben diese Woche zwei Verdi-Gründungsmitglieder Seit' an Seit' versucht, dem Bankgewerbe einen Tarifvertrag abzutrotzen

es ging um den freien Samstag und um mehr Geld. Halb ist ihnen das auch gelungen, aber eben nur halb: Die DAG wurde sich mit den Arbeitgebern einig, die HBV nicht.

"Tragbar" fanden die einen den gefundenen Kompromiss, "schier unerträglich" die anderen. Am Ende reichte die Einigkeit nicht einmal mehr für eine gemeinsame Presseerklärung.

Das Ganze zeige, wie dringlich die Verdi-Gründung sei, hieß es hinterher kleinlaut. Das kann man in der Tat so sehen: Wer sich künftig intern zerstreiten kann, braucht es nicht mehr öffentlich zu tun. Andererseits droht ein gewisser Gewöhnungseffekt: Die Gewerkschaften haben bei den Banken schon vergangenes Jahr keinen Tarifvertrag zustande gebracht, dafür reichte die Kraft nicht. Die Branche zahlte freiwillig mehr. Tödlich für die neue Organisation, wenn sich diese Lehre bei den klassenmäßig ohnehin unzuverlässigen Dienstleistern festsetzt: Es geht auch ohne Tarifvertrag - und eigentlich auch ganz ohne Gewerkschaften. Oder wenn sich das Kürzel Verdi von Anfang an in verfremdeter Bedeutung einprägt: Verdammt dilettantisch.