Bhekhi zischt. Bhekhi kollert. Bhekhi flötet, mal hoch, mal tief. Er schürzt die Lippen und lockt und ruft und schnalzt. Da - eine Antwort. Ein paar Töne aus irgendeinem Wipfel. Ein Graufischer vielleicht? Oder ein Turako? Könnte auch eine Blauracke gewesen sein. Oder ein hagedash, ein Ibis. Oder, oder, oder. Wie soll man da durchblicken, durchhören? 530 Vogelarten fleuchen durch die Wälder, Sümpfe und Savannen rund um den Lake Saint Lucia. Aber Bhekhi zögert, zweifelt keinen Augenblick. Schnappt sich seinen abgegriffenen Illustrated Guide to the Birds of Southern Africa, flappt durch die Bildtafeln, hält inne und zeigt auf einen Piepmatz. "Blackeyed bulbul."

Graubülbül. Schwarzer Kopf, langer Schwanz, gelber Po. Und dann nennt Bhekhi noch den Zulu-Namen seines gefiederten Gesprächspartners, ein Vokalhaufen, durchsetzt von knallenden Kehlkopfknacklauten.

Der Mann ist ein Naturereignis. Eine Art heiliger Franziskus des südafrikanischen Busches, in Shorts, die nachtblauen Kniestrümpfe akkurat hochgezogen. Die Schnürsenkel in den Bergschuhen leuchten korallenrot, und am langen Arm hält er eine kleine Kühlbox aus Styropor mit unserer Wegzehrung: drei Dosen Tonic und ein bisschen Gin in Marmeladengläsern. Aber vor der Getränkepause ist noch eine Lektion in Naturkunde und Kulturgeschichte dran.

Aus welchem Holz die Zulus ihre Häuser bauen. Warum dieser Baum hier rechts sich nur bedingt für Zäune eignet: Er wächst auch nach dem Fällen munter weiter. Diese Wurzeln da. Ausgraben, klein schneiden, heißes Wasser drauf, trinken - unweigerlich dreht sich das Unterste nach oben, und alles Schlechte kommt heraus.

Und hier, Vorsicht, ein kite spider, geformt und gefärbt wie ein schriller Lenkdrachen, nur kleiner, Gott sei Dank. Dann isst Bhekhi noch ein paar Stängel direkt vom Baum - angeblich schmecken sie wie Gurke - und zeigt, wie man ein anderes Zweiglein so zurechtkaut, dass daraus eine prima Zahnbürste wird. Und jetzt mal einen Augenblick Ruhe, da vorne stehen gerade drei Zebras und ein paar Gnus im Wald.

Am schönsten freilich ist die Geschichte, wie man mit einem Zweig des Büffeldorns und einer Ziege die bösen Geister vertreibt und seine Ahnen beschwichtigt. Doch die dauert inklusive allen Gestikulierens eine halbe Stunde, und deshalb sei hier nur so viel verraten: Es funktioniert. Behauptet Bhekhi.

Jedes Zimmer hängt wie ein nobles Baumhaus im Dickicht