Margit Bancher, 31, hat ein Problem: Die Tourismusdirektorin von Sankt Gilgen (3500 Einwohner/3000 Gästebetten) in Österreich sieht sich mit der Demontage ihres (ge-)wichtigsten Stammgastes und Werbeträgers Helmut Kohl konfrontiert. Ein Interview, wie es am Wolfgangsee weitergehen soll.

die zeit: Wenn es zwischen Kohl und Sankt Gilgen einen Imagetransfer gibt, dann geht Sankt Gilgen düsteren Zeiten entgegen, oder?

Margit Bancher: Da haben wir keine Sorgen. Aber wir verfolgen die Vorgänge in Deutschland natürlich sehr genau. Wenn einer wie Herr Dr. Kohl seit 30 Jahren als Stammgast kommt, dann ist man natürlich sensibel.

zeit: Wissen Sie, wie viele Ihrer Besucher aus Deutschland in der Vergangenheit durch Helmut Kohl angelockt wurden?

Bancher: Nein, das kann man nicht messen. Aber die Deutschen machen 60 Prozent unserer Gäste aus, ein höherer Schnitt als in der Umgebung.

zeit: Dann hat die Werbelokomotive ja bestens funktioniert!

Bancher: Durch ihn hat Sankt Gilgen in 30 Jahren jedenfalls einen Bekanntheitsgrad erreicht, den es nie hätte mit Werbung finanzieren können.