Am Freitag vergangener Woche meldete die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) den Durchbruch. Gewerkschaft und Vorstand des angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann hätten, so hieß es in einer Pressemitteilung, "eine Einigung über ein Tarifpaket zur finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer an der Sanierung des Baukonzerns erzielt".

Die Börse reagierte prompt, der Kurs des Bauunternehmens schoss um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Schließlich haben vor allem die kreditgebenden Banken, allen voran die Deutsche Bank, von Anfang an einen Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer zur Bedingung für ihre eigene Beteiligung an der Rettung des Frankfurter Traditionsunternehmens gemacht.

Tatsächlich aber ist das Problem trotz der Einigung zwischen der IG Bau und Holzmann keineswegs gelöst. In Kraft tritt der so genannte "Sanierungstarifvertrag" nämlich erst, wenn auch die beiden Arbeitgeberverbände, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), zustimmen. Das aber ist äußerst fraglich.

Denn in den Vertrag ist eine Klausel eingebaut, welche die beiden Arbeitgeberverbände kaum akzeptieren können - es sei denn, sie riskieren eine innerverbandliche Zerreißprobe. Mit ihrer Unterschrift würden sie nämlich ausdrücklich für ihre Mitgliedsfirmen auf die so genannte "Meistbegünstigungsklausel" des Rahmentarifvertrages verzichten. Die sieht vor, dass, sofern von den Tarifvertragsparteien mit einem Unternehmen günstigere Regelungen als die im Tarifvertrag festgeschriebenen ausgehandelt werden, diese auch von allen anderen Unternehmen in Anspruch genommen werden können. Damit sollen Wettbewerbsnachteile verhindert werden. Genau die aber befürchten vor allem kleinere und mittlere Baufirmen, wenn Philipp Holzmann dank des Sanierungstarifvertrages deutlich niedrigere Lohnkosten hätte als die Konkurrenz.

Genau auf diesem Passus aber bestehen die IG Bau und ihr Vorsitzender Klaus Wiesehügel. "Wenn die Verbände nicht bereit sind, diese Klausel zu akzeptieren, dann wird dieser Sanierungstarifvertrag nicht wirksam", sagt Gewerkschaftssprecher Michael Knoche. Die Arbeitnehmerorganisation treibt vor allem eine Sorge um: Würde das Beispiel Holzmann branchenweit Schule machen, wäre das der Anfang vom Ende des Flächentarifvertrages - jedenfalls in der heutigen Form.