Bundeskanzler Gerhard Schröder will am 11. Februar auf der Berlinale den Startschuss zum Aufbau einer europäischen Filmindustrie geben. Im Mittelpunkt steht die Gründung einer deutsch-französischen Filmakademie mit Doppelsitz in Berlin und Paris. Ziel ist es, so Schröder, "eine eigene populäre Kultur zu exportieren und hiermit Märkte zu erobern".

Ein Gremium aus Politikern und Filmschaffenden soll Produktion, Verleih und Großereignisse koordinieren. Europas Hollywood will sich zudem ein deutsch-französisches Ausbildungszentrum gönnen, das sich an existierende Institutionen angliedert. Im Gespräch sind die Medienstadt Babelsberg, bislang noch im Besitz des französischen Unternehmens Vivendi, die Münchner Film- und Fernsehhochschule und die Ludwigsburger Filmakademie.

Zwar sind wichtige Fragen zwischen Deutschen und Franzosen noch nicht geklärt: Die Bundesregierung will den Schwerpunkt auf die Ausbildung legen, Talente fördern und Fantasien bündeln. Frankreich schwebt eher eine Agentur vor, die Ereignisse vermarktet. Eines aber steht schon fest: Das Geld - wofür auch immer - kommt vom Staat.

Die Franzosen führen schon seit Jahren einen Kampf gegen die Eroberung der europäischen Leinwände durch die Amerikaner - mit immer höheren staatlichen Subventionen und erschreckend wenig Erfolg. Die europäische Filmindustrie wird mittlerweile zu 75 Prozent von US-Produktionen dominiert. Kaum mehr als ein Prozent der deutschen Kinogänger sehen sich französische Filme an. Aber auch in Frankreich selbst finden die eigenen Streifen immer weniger Zuspruch.

Nahezu gegen Null tendiert bei den Franzosen das Interesse an deutschen Werken. Ausnahme ist der bisher teuerste europäische Film, die deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion "Asterix", den weltweit 25 Millionen Menschen sahen.