Er kam in der oberschlesischen Industriestadt Gleiwitz zur Welt, wo sein Vater sich nach dem Medizinstudium als Wundarzt und Geburtshelfer niedergelassen hatte und mit dem Titel Sanitätsrat geehrt wurde. Der Vater war auch, schrieb der Sohn später in seinen Erinnerungen, Stadtverordneter und zugleich zweiter Vorsitzender der ziemlich großen jüdischen Gemeinde.

Die Mehrzahl der Einwohner war jedoch katholisch. Auf die Jugendzeit zurückblickend, sah er eine Welt des Friedens, der Ruhe, der Sorglosigkeit und der Bescheidenheit ... Deutschland war für uns ein Ort friedlichen Zusammenlebens.

Doch dann brach Krieg aus. Da wurde er gerade 17, und später erinnerte er sich: Deutschland wurde von einer Welle wilden Nationalgefühls überschwemmt.

Die 18- und 19jährigen Oberprimaner ... eilten als Kriegsfreiwillige zu den Waffen, und mit Neid betrachtete ich die >Glücklichen<, die sich für Kaiser und Reich opfern durften. Wir Jüngeren mußten noch ein Jahr warten, bis auch wir die Waffen ergreifen konnten ... Die Intellektuellen der älteren Generation, Dichter und Schriftsteller, übertrumpften sich in Fremdenhaß, Todesmut und Todessehnsucht ... Wir Jungen waren dem nationalistischen Wahnsinn dieser Dichter völlig verfallen.

Er bemühte sich sechs Monate lang, bei einem der Regimenter der Umgebung als Freiwilliger angenommen zu werden, wurde aber immer wieder als zu jung abgewiesen.

Erst an seinem 18. Geburtstag wurde er als Einjähriger, das heißt als Absolvent der Untersekunda einer Höheren Schule, von einem Fußartillerieregiment genommen und musste zunächst eine mörderische Ausbildung überstehen: Der ausbildende aktive Unteroffizier hatte es auf uns Einjährige abgesehen. Für ihn waren wir Muttersöhnchen, die gar nicht hart genug hergenommen werden konnten.

Und dann kam er ins Frontgebiet: Unsere Batteriestellung, in die wir im Januar einzogen, befand sich in der Champagne. Die schweren Kämpfe dort waren beendet, und ein ausgedehntes Schützengrabengewirr markierte die Front ... Wir waren mit vier 15-cm-Langrohrkanonen ausgerüstet. Unser Hauptmann, der sich kein einziges Mal in unserer Stellung zeigte und seine Befehle von der Ruhestellung einige Kilometer hinter der Frontlinie telephonisch erteilte, befahl, direkt hinter unsere schweren Kanonen einen zwei Meter tiefen Graben zu unserem Schutz anzulegen. Es war vorauszusehen, daß wir im Falle eines Angriffs unsere schweren Geschütze niemals über diesen Graben würden ziehen können.