Früher, als die Zukunft noch etwas galt, ging es sogar in den kalten Weiten des Weltraums recht wohnlich zu. Angesichts der mannigfaltigen Gefahren dort - die Rede ist von fiesen Klingonen oder heimtückischen Strahlen, von Todessternen oder Sandwürmern - wusste man sich stets gut aufgehoben. Die Rückkehr in die heimeligen Gefilde der Mutter Erde, wenigstens aber der eigenen vier Wände des Raumschiffes, sollte in diesen kommoden Zeiten (fast) immer gelingen. Selbst in den letzten Winkeln der Galaxie hauste der Mensch im vertrauten Interieur. Unvergessen in diesem Zusammenhang ist der Bügeleisengriff auf der Schaltkonsole der Raumpatrouille Orion oder auch, dass sich Star Trek-Commander Kirk noch bei doppelter Lichtgeschwindigkeit behaglich in seiner Polstergarnitur räkeln konnte.

Kurzum, eine optimistische Gegenwart machte sich die Zukunft bequem, Form und Funktion waren eng liiert.

Heute, in der Zukunft angekommen, ist nicht nur der Weltraum kalt. An dem Optimismus von einst vermag sich niemand mehr zu erwärmen, und die extraterrestrischen Visionen sind längst als narzisstische Spiegelung durchschaut. Unbehaust wohnt der Mensch jetzt auf Erden. Sein flexibilisiertes Dasein - auf gut Deutsch: seine transzendentale Obdachlosigkeit - lässt allenfalls noch Raum für eine windige Mythologie des Nomaden. Wüst ist der Planet und doch nicht leer

immer unterwegs und niemals ankommen. Das Leben, wer noch soll es richten oder, wichtiger noch, wer soll es einrichten? In der letzten Woche strömten aus aller Welt die Sinn- und Orientierungssucher zur Möbelmesse nach Köln. Angebote für die alltägliche und gehobene Raumausstattung waren dort zu besichtigen, und zwar so weit das Auge reicht.

Beruhigend war allein schon die schiere Anzahl der Aussteller, 1475 an der Zahl, aus 45 Ländern. Kaum eine Vorliebe, kaum ein Bedürfnis, die nicht Berücksichtigung fanden. Möbel für alle und keinen. Ganz gleich, ob schwere Eiche oder lichtes Rosenholz, ob Plüsch, Pomp, Polster oder Plastik, ob rund, eckig, gestreift oder kariert - im Großen und Ganzen gibt es nichts, was es nicht gibt. Wie von einem fremden Stern musste sich allerdings der etwas unbedarfte und doch so bedürftige Besucher vorkommen, wenn er, wie es sich eigentlich für eine Messe gehört, von dieser Veranstaltung allzu extravagante Neuigkeiten erwartet hatte. Denn zum großen Teil traten ihm die handelsüblichen, aus den örtlichen Möbelcentern mehr oder weniger vertrauten Formate entgegen. Auch die Welt der Möbel ist nicht unbedingt zukünftig gestimmt, ihre träge Gegenwart macht sich an der Vergangenheit satt und mischt sie allenfalls neu für die - Stichwort: Modernisierungsstress durch Dauerreflexion - retroesken Entlastungsarrangements.

Und warum eigentlich nicht? Selbst die Exponate in den keck als "Avantgarde" annoncierten Ausstellungsräumlichkeiten konnte man als vertrauensbildende Maßnahme im Sinne der Beruhigung verstehen. Sir Norman Foster stellte seine bereits reichstagserprobte und allemal flughafenwartehallentaugliche Stuhlkreation vor. Die Vorhut dieser Entwicklung findet sich bereits in modernisierten DB-Lounges oder in italienischen Eisbars mit so klangvollen Namen wie Café Venezia - man schaue nur mal beim Kölner Hauptbahnhof vorbei.

Interieurs für nomadische Existenzen. Doch überhaupt Reisen! Überhaupt Italien! Die wahren Neuigkeiten, das kolportierten einige Hersteller, werden erst auf der Möbelschau in Mailand zu besichtigen sein. So verließ man nach einem erschöpfenden Rundgang den Orbit des Kölner Messegeländes und schoss, zwischen beherztem Griff nach dem Bügeleisen und Warp-Geschwindigkeit, wieder in die erweiterte Umlaufbahn.