Am Anfang des Transrapid-Projektes stand ein politischer Fehler. Im August 1995 beschloss das Bundeskabinett aus CDU/CSU und FDP den Entwurf des sogenannten "Magnetbahnbedarfsgesetzes". Es war so kurz wie kurios: "Es besteht Bedarf für den Neubau einer Magnetschwebebahnstrecke von Berlin nach Hamburg über Schwerin. Die Feststellung des Bedarfs ist für die Planfeststellung nach Paragraph 22 des Magnetschwebebahnplanungsgesetzes verbindlich."

Dass später der Bundestag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP sowie der SPD-Opposition diesem Unsinn zugestimmt hat, ist der eigentliche Skandal. Nicht nur der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesverkehrsminister mit 24 hochkarätigen Experten aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten hatte nämlich erst 1994 in einem vernichtenden Gutachten zur Transrapidstrecke Berlin-Hamburg gerade den Bedarf entschieden verneint. Auch durch zahlreiche andere Stellungnahmen und Fachexpertisen war bekannt, dass das zugrunde gelegte Fahrgastaufkommen von 14,5 Millionen Passagieren jährlich, also 40 000 täglich, eine Fata Morgana war. Außerdem besagten die Gutachten, dass das gesamte europäische Verkehrswegenetz und alle Entscheidungen in der Europäischen Union eine Integration des Transrapids in das europäische Eisenbahnnetz nicht zulassen. Die EU-Verkehrspolitik hatte sich bereits mit allen großen Verbindungsprojekten wie Kanaltunnel, Alpentransversale, Öresund oder Fehmarnbelt-Strecken auf das Eisenbahnsystem und die Hochgeschwindigkeits-Rad-Schiene-Technik festgelegt.

Die Bedarfsprognosen und die Realisierungschancen des Transrapids in Europa waren somit von jeder vernünftigen Zukunftserwartung Lichtjahre entfernt.

Dass das Parlament dem Magnetbahnbedarfsgesetz dennoch zugestimmt hat, lässt sich nur so erklären: Die Regierungsfraktionen CDU/CSU und FDP wollten ihre gescheiterte Innovations- und Beschäftigungspolitik durch Signale einer faszinierenden Technologie und eines glänzenden Weltmarktproduktes übertünchen

die SPD-Opposition wollte sich nicht als technologie- und innovationsfeindlich abstempeln lassen. Deswegen auch mag sich die jetzige Regierung nicht vom Transrapid verabschieden. Leider lässt sich aber nicht einmal das Argument halten, dass die Strecke Berlin-Hamburg für den Durchbruch dieser Weltmarkttechnologie gebraucht würde. Es ist ja in all den Jahren nicht gelungen, auch nur eine einzige ernsthafte Kaufoption weltweit ausfindig zu machen.

Vor diesem Hintergrund kann man dem Bundeskanzler und dem Verkehrsminister nur folgende Ratschläge erteilen:

Erstens: Um nicht noch mehr Steuergelder in ein untaugliches Projekt zu stecken - es wurden bisher circa 2,5 Milliarden Mark öffentliche Mittel aufgewandt -, sollten die Arbeiten sofort eingestellt werden.