Die deutsche TV-Unterhaltung wird dominiert von Selbstdarstellern wie Verona Feldbusch oder Stefan Raab, bei denen man nie weiß, wo das Selbst aufhört und die Darstellung anfängt. Nichts dagegen, alles okay, und auch das Verwischen von Grenzen ist von jeher eine ehrwürdige Aufgabe für Spaßmacher. Aber ein paar Unterscheidungen bleiben doch, zum Beispiel die zwischen komischen Moderatoren und komischen Komikern.

Letztere gehören zur Zunft der Schauspieler, von denen sich im Fernsehen immer noch einige herumtreiben. Zwar sind sie in der Defensive, denn das Programm kommt zunehmend ohne sie aus. Aber hin und wieder machen sie doch auf sich aufmerksam, selbst in der jungen Generation trifft man sie an. Zum Beispiel in Gestalt des Showstars Anke Engelke.

Na schön, dachte man bei Sat.1, wenn diese Anke so ein Knaller ist, wird sie auch zur deutschen Ally McBeal taugen, also los. Man setzt das Mädchen in eine fiktive TV-Redaktion, lässt sie dort Daily Talks zu Extremthemen ("Anke, ich bin Nymphomanin!") moderieren und in Job und Leben allerlei Prüfungen bestehen. Leider hat man versäumt, Engelke das Drehbuch schreiben zu lassen, vielleicht wäre dann der eine oder andere komische Funken in den Dialog gehopst. Wenn sie selber reden darf, hört man ihr immer mit Vergnügen zu. Aber als Anke ist Anke total zum Abwinken. Das geflügelte "Danke, Anke!" aus den Wochenshow -Nachrichten kriegt plötzlich einen ganz neuen Sinn.

Soll man jetzt mit einem "Schade" weiterzappen und froh darüber sein, dass schon wieder was Neues läuft, das zu gucken sich nicht lohnt? Nein, es wird Zeit, den Redaktionen mal deutlich zu sagen, dass eine leading lady nicht besser sein kann als das Drehbuch und dass der Mangel an guten Dialogschreibern und insbesondere Komödien- oder Possendichtern ein Skandal ist. Natürlich muss eine Komikerin ihre Drehbücher nicht selber schreiben, Arbeitsteilung ist die Regel und von Vorteil. Beim Fernsehen aber bringen die vielen Selbstdarsteller stets eigene Texte mit, die Schreiberlinge geraten genauso in die Defensive wie die Schauspieler, sie werden seltener gebraucht und kaum gefördert - mit desaströsen Folgen. Ally McBeal übrigens lebt ganz aus dem Wort. Sogar der Slapstick dieser Serie ist intellektuell.