Das Jahr 2000 war ein magisches Datum. Wie alt würde man dann sein, fragten wir uns? Gott, schrecklich: 25, 28 oder - noch schrecklicher - 30? Das Datum lag jenseits aller Vorstellungskraft, damals in den siebziger Jahren, als wir mit unseren kleinen Kinderfingern alle Mühe hatten, das ganze Ausmaß des Schreckens auszurechnen. Eine kleine Ewigkeit dauerte es, bis ich mir klar war: Im Jahr 2000 bin ich 30. 30, Wahnsinn.

Und dann ging alles sehr schnell. Grundschule, Gymnasium, erste Pickel, erste Liebe, endlich 20, endlich weg von zu Hause, Universität, mit Examen - vielleicht. Ein eigenes Leben, das auf jeden Fall. Spätestens am 30. Geburtstag ist es dann so weit, man kann die Sache drehen und wenden, wie man will: Du bist erwachsen, jedenfalls sehen die anderen das so. 30 Jahre! Das heißt zum ersten Mal: alt sein.

"Wir waren so ziemlich die erste Generation, die mit flächendeckend beworbenen und flächendeckend verbreiteten Konsumgütern flächendeckend versorgt wurde. Und zwar mit so ziemlich den gleichen, so ziemlich im gesamten deutschen Sprachraum, mit so ziemlich keinen Unterschieden." Das schreibt der Wiener Kabarettist Thomas Maurer im Nachwort eines Buches mit dem Titel Wicki, Slime und Paiper, das im vergangenen Herbst in Österreich erschienen ist. Obwohl erst wenige Monate auf dem Markt, gilt es mittlerweile als die Fibel für ein Phänomen: die Lust am kollektiven Erinnern.

Dieses "Online-Erinnerungsalbum" hat bereits mehr als 60 000 Käufer gefunden und im Nachbarland zu einer hysterischen Retro-Welle der Siebziger geführt. Wer auch immer zwischen 1965 und 1975 in eine zukunftstrunkene, orange-braune und zum ersten Mal am Massenkonsum orientierte Welt hineingeboren wurde, der feiert mit.

"Weißt du noch?" So lautet die Frage aller Fragen. Wie war noch gleich die Melodie des Faserschmeichlersongs? Wie hieß zum Beispiel diese unvergleichliche Eissorte im Langnese-Sortiment von 1976? Grünofant? Brauner Bär? Und wer waren die Mitglieder der Familie Barbapapa? Individuelle Erinnerungen, die sich spielerisch zusammensetzen lassen zum Bild eines Jahrzehnts. Am besten natürlich in größerer Runde, mit Freunden, aber auch mit Leuten, die man gar nicht näher kennt. Gemeinsamkeiten sind entbehrlich, bis auf eine: geboren in den Siebzigern.

"Weißt du noch?" Diese Frage ist es, die neuerdings genügt. Dann ist die Party gerettet. "Weißt du noch?" Das funktioniert immer. Nur ein vager Hinweis auf einen Songtitel, eine Fernsehserie, ein Spielzeug, ein Buch oder ein Kleidungsstück, und es passiert: "Das muss so mitten in den siebziger Jahren, vielleicht auch Anfang der achtziger aufgekommen sein. Keine Ahnung, was das genau war", meint jemand. "Ach ja, richtig", ergänzt der Nächste, "wenn du das jetzt so sagst, ich erinnere mich wieder. Das muss zu jener Zeit gewesen sein, als ich die Zahnspange loswurde."

Dies ist der Moment, in dem kollektives Wohlgefühl einsetzt. Augen beginnen zu glänzen, Stimmen rufen durcheinander und überschlagen sich. Ja, ich erinnere mich,