Manchmal, wenn das Asthma ihm wieder den Atem verschlug, hielt Marcel Proust (1871-1922) die Welt auf Abstand. Dann kapselte er sich hinter den Fensterläden seiner Pariser Wohnung ab, schlief am Tag und schrieb bei Nacht.

Doch den Phasen der Verschneckung folgte die Lust auf Luftveränderung. Wohl untersagte die angeschlagene Gesundheit Exkursionen zu Pyramiden und persischen Königsstädten, wo sich Zeitgeister wie Paul Morand und Pierre Loti inspirieren ließen. Der kränkelnde Dichter schaffte es allenfalls bis Venedig und Amsterdam. Ansonsten suchte er das Weite innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Seine Abstecher zu den Stränden der Normandie, unter die Gewölbe gotischer Kathedralen und den Himmel der Ile-de-France dokumentiert der Band Auf den Spuren von Marcel Proust (aus dem Französischen von Sylvia Strasser

Gerstenberg Verlag, Hildesheim 1999

168 S., 68 DM) mit historischen Aufnahmen und erstklassigen Landschafts- und Architekturfotografien von François-Xavier Bouchart, der sieben Jahre lang an den Orten der verlorenen Zeit recherchierte. Seine Ehefrau Nadine Bauthéac hat die Stimmungsbilder mit dicht erzählten Texten unterlegt. Trotz des Verzichts auf eine akkurate wissenschaftliche Ausarbeitung ist es der Autorin gelungen, die Brücke zwischen Dichtung und Wahrheit zu schlagen: Das Ende der Erde, das in Swanns Welt Balbec heißt, hat Proust im wahren Leben an Frankreichs Kanalküste gefunden - auf seinen Reisen nach Dieppe, Cabourg und Trouville.