Ausgangspunkt ist die plausible Vermutung, dass mindestens 700 000 NS-Zwangsarbeiter in der nach dem Anschluss von 1938 so genannten Ostmark des Deutschen Reiches eingesetzt wurden. Im Zentrum des Systems stand das KZ Mauthausen mit zahlreichen Nebenlagern, deren Häftlinge der Industrie zur Verfügung gestellt wurden. Die Stahlwerke Alpine Montan (nach dem Krieg: Voest-Alpine), die Waffenschmiede Steyr-Daimler-Puch, aber auch Textilunternehmen wie Lenzing und die Alpen Elektrowerke (heute: Verbund) setzten Zwangsarbeiter in großem Stil ein. Viele wurden beim Bau von unterirdischen Fabriken, Kraftwerken, Passstraßen und in Steinbrüchen zu Tode geschunden.

Wie viele der Zwangsarbeiter heute noch leben, ist unklar. Georg Zanger, der als Anwalt allein 20 000 polnische Opfer vertritt ("Mit namentlicher und schriftlicher Vollmacht"), spricht von insgesamt 40 000 Überlebenden und wirft seinen amerikanischen Kollegen vor, die Zahl mutwillig in die Höhe zu treiben. Von gut 100 000 geht Oliver Rathkolb aus, der vor allem die jüngere Geschichte des Konzerns Voest Alpine erforscht hat. Seine Kollegen Perz und Freund dagegen sprechen von "wesentlich mehr als 100 000" Überlebenden.

Auch darüber, wie zahlungswillig die Unternehmen sind, gehen die Meinungen auseinander. "Die großen österreichischen Unternehmen sind nicht nur bereit, sondern interessiert, das Problem zu lösen", beteuert Anwalt Georg Zanger.

Doch mit dieser Meinung steht er ziemlich allein. "Alles passiert nur unter Druck", kritisiert der Publizist Reinhard Engel, Autor eines Buches über die verdrängte Geschichte der österreichischen Industrie. Bisher hat sich einzig Voest zu Zahlungen bereit erklärt. Kein Wunder, die Gruppe hat intensive Geschäftsbeziehungen in die USA. Nachdem Steyr-Daimler-Puch mit einer Sammelklage belegt wurde, erkannte es immerhin "gute Gründe, eine Initiative der österreichischen Bundesregierung zu erwägen, mit dem Ziel, Vertreter der Opfer und ihrer Organisationen sowie der Wirtschaft an einen Tisch zu bringen".

Häufig ist vom deutschen Modell die Rede. Die grüne Abgeordnete Stoisits meint: "Wir werden uns auch an den deutschen Summen orientieren müssen." Bei der Verteilung könnten die Österreicher auf den Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus zurückgreifen. Er hat seit 1995 rund 30 000 österreichische Naziopfer in aller Welt ausfindig gemacht und an die 300 Millionen Mark ausgezahlt.

"Ein extrem gutes Modell", urteilt der Historiker Rathkolb, und die Fonds-Generalsekretärin Hannah M. Lessing verweist stolz darauf, dass nur ein Prozent des Nationalfondsbudgets für die Administration draufgehe. Aber es gibt wohl ein Hindernis: Der Fonds gilt als rot, weil er unter einem SPÖ-Kanzler und einem SPÖ-Parlamentspräsidenten aus der Taufe gehoben wurde.

Einigkeit von rechts bis links besteht darüber, dass es nicht ohne einen Regierungsbeauftragten geht, "eine Art Graf Lambsdorff", wie meist respektvoll angefügt wird. Schon wegen der noch offenen Frage der Beteiligung des Staates an der Finanzierung: Der neue Finanzminister Karl-Heinz Grasser, ein Haider-Spezi, wird jeden Schilling mehrmals umdrehen, bevor er ihn für Zwangsarbeiter ausgibt - zumal er sparen muss.