Am Donnerstagabend wollte er in Hamburg zu einer Lesung seines neuen Buches Es gibt keinen Weg. Nur gehen und wurde von einem Auto überfahren - der makaber-bittere Unfall eines Mannes, der sich wünschte, "in einem Baumhaus" zu sterben, "in einem Moment der Erkenntnis oder des Glücks". Joachim-Ernst Berendt beschäftigte sich seit 25 Jahren mit den Wegen ins Innere, erschrieb sich mit Nada Brahma, Ich höre also bin ich und Das dritte Ohr eine große Gemeinde. Lange vorher schon galt er als Deutschlands "Jazz-Papst" - ohne dass er eine Note gespielt hätte. Seine Stimme, die seit 1950 aus dem Radio des SWF direkt ins Ohr kroch, in den sechziger Jahren im Fernsehen Jazz - gehört und gesehen moderierte, war wie ein Instrument. Als Erster - immer wieder "als erster" - brachte er Dinge auf den Weg: den Blues nach Europa, den deutschen Jazz in kommunstische Länder, den Free Jazz zu den Berliner Jazztagen, die Lyrik mit dem Jazz zusammen. Und er veröffentlichte 1953 jenes Jazzbuch, das (selbst in den USA) zum meistverkauften Buch über Jazz wurde.

Schon Anfang der siebziger Jahre wurde dem 1922 geborenen Pastorensohn das Religiöse in der Musik wesentlich. "Welches Recht habe ich, mich in den Wäldern aufzuhalten, wenn diese Wälder nicht in mir sind", zitierte er am Ende seiner Autobiografie Das Leben - ein Klang Thoreau. Wer Musik so lebensernst nahm wie er, dem war Spiritualität nur die andere Seite des Jazz.

Am Morgen des 4. Februar erlag er seinen Verletzungen.