Die IG Metall verliert nicht gern, darum stellt sie auch Niederlagen bisweilen in ein mildes Licht. Zweieinhalb Monate kämpfte die mächtige Gewerkschaft gegen die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, doch als die nicht mehr abzuwehren war, gab sich auch IG-Metall-Chef Klaus Zwickel versöhnlich. Die Beschäftigten brauchten sich nicht zu fürchten, beruhigte der sonst so kämpferische Metaller: "Die Beteiligungsrechte der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bleiben gesichert", und auch an "der tarifvertraglichen Absicherung" ändere sich nichts.

Doch das ist nicht sicher, vor allem nicht für die fast 7000 Mobilfunker von D2. Denn welche Mitbestimmungsrechte die Mannesmänner künftig haben werden, hängt von der unternehmensrechtlichen Konstruktion ab, die Vodafone-Chef Chris Gent seinen neuen Töchtern verpasst, und da ist das letzte Wort längst nicht gesprochen. Selbst innerhalb der Gewerkschaft ist umstritten, wie verlässlich die Fusionsvereinbarung in diesem Punkt ist. "Die Formulierungen im Vertrag sind ordentlich", findet der Jurist Roland Köstler von der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung, der im Aufsichtsrat von Mannesmann sitzt. "Es gab keinen vernünftigen Grund, das Ganze nicht mitzutragen." "Bislang sind nur Absichtserklärungen abgegeben worden", sagt Rainer Barcikowski, Leiter des Düsseldorfer Stahlbüros der IG Metall, das für die Verhandlungen mit Mannesmann und künftig auch mit den Briten zuständig ist. Aber auch er zeigt sich gelassen. "Wir gehen das mit aller Ruhe an." Es gebe die Hoffnung, "dass Vodafone die Zusagen aus der Zeit einhält, als sie uns mit Liebe umgarnten, um die Mehrheit zu bekommen".

Am größten sind die Hoffnungen wohl bei den klassischen Industriebereichen.

Bleibt es dabei, dass Maschinenbauer und Automobilzulieferer gemeinsam an die Börse gebracht werden, gelten auch weiterhin die Bestimmungen des Mitbestimmungsgesetzes von 1976, das den Arbeitnehmern paritätische Mitsprache im Aufsichtsrat garantiert. Das Röhrengeschäft soll endgültig in Joint Ventures unter anderem mit dem französischen Konzern Vallourec eingebracht werden. Die Franzosen haben zugesagt, die Regeln der Mitbestimmung anzuerkennen.

"Man kann motivierte Mitarbeiter nicht misshandeln"

Die Mannesmann-Tochter Arcor, in der die Festnetz-Aktivitäten des Konzerns gebündelt sind, soll laut Fusionsvereinbarung nicht verkauft werden. Derzeit ist Arcor eine mitbestimmungspflichtige Aktiengesellschaft und soll es laut Köstler auch bleiben - was langfristig wird, ist aber ungewiss.

Die hochprofitable Mannesmann-Mobilfunktochter D2, an der Gent vor allem interessiert ist, hat indes die Rechtsform einer GmbH, die Arbeitnehmer profitieren also von den - wenn auch eingeschränkten - Mitbestimmungsrechten dieser Konstruktion. "Die Frage ist aber, ob die Firma eigenständig weitergeführt wird, vielleicht sogar als Aktiengesellschaft, oder ob sie in Vodafone aufgeht", sagt Barcikowski. Dann nämlich gäbe es gar keinen Aufsichtsrat mehr und also auch keine Beteiligung der Arbeitnehmer bei der Kontrolle des Unternehmens.