Schröder: Ja, und genau diese Gefahr beschwört Stoiber herauf. Haider darf nicht zu einem deutschen Problem werden, denn der außenpolitische und außenhandelspolitische Schaden wäre riesengroß. Es ist nun einmal so, dass das Ausland, dass unsere europäischen Partner in Sachen Haider sehr sensibel auf die deutsche Reaktion achten. Unsere Geschichte ist immer noch sehr präsent.

zeit: Haben Sie das bei den Beratungen, wie man mit Haider umgehen soll, gespürt?

Schröder: Das war schon vor einigen Wochen auf der Holocaust-Konferenz in Stockholm zu spüren. Die Vertreter der jüdischen Organisationen und Israels - Premier Barak war selbst dabei - zeigten sich aufs Höchste besorgt, dass der österreichische Rechtspopulismus auch auf Deutschland überschwappen könnte.

Diese Sorge muss man ernst nehmen, zumal in einigen Landesparlamenten bereits die rechtsextreme DVU sitzt. Wenn die CSU Haider salonfähig macht, besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Tabuisierung der äußersten Rechten in Deutschland relativiert wird.

zeit: Ihnen ist Populismus doch auch nicht völlig fremd, und gerade Herr Haider zitiert Sie immer wieder gerne. So haben Sie zum Beispiel gesagt, dass in der EU Gelder "verbraten" werden und im Wahlkampf 1998 geäußert: "Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eines, raus, und zwar schnell."

Schröder: Ich weiß nicht, was das miteinander zu tun hat. Ich habe sehr deutlich ausgedrückt, dass diejenigen, die hier Recht und Gesetz brechen, nicht Gäste sein können. Wenn auch Herr Haider nur dies gesagt hätte, gäbe es kein Problem mit ihm. Von Populismus sollte man sprechen, wenn mit Vorurteilen gespielt wird, wenn Tatbestände verfälscht werden, um die Leute emotional zu erreichen. Nicht aber, wenn man sagt, dass der Staat für die innere Sicherheit sorgen muss.

zeit: Also kein Grund zur Selbstkritik?