Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken Nr. 29, Jg. 1999/2000

Verlag der Max-Himmelheber-Stiftung

39,- DM

Die Scheidewege wurden 1970 als Quartalszeitschrift ins Leben gerufen

als Herausgeber firmierten Max Himmelheber, der Finanzier, und Friedrich Georg Jünger, der Bruder des berühmteren Waldgängers. Himmelheber war einer der gar nicht so seltenen mittelständischen Unternehmer, die einen Sinn für weiterführende Fragen bewahrt haben. Jünger stand dem kulturkonservativen Misstrauen gegenüber dem unreflektierten technisch-wissenschaftlichen Fortschritt nahe. Die Zeitschrift gab sich also den Untertitel Für skeptisches Denken. Zu ihren klaren Konstanten gehören die kraftvolle Feder des Redakteurs Jürgen Dahl und, vor allem, der grimmige Übervater Erwin Chargaff. Seine Kombination von Alt-Wiener Musenfreundlichkeit, naturwissenschaftlichem Genie und moralisch befeuertem Pessimismus hat er aus k. u. k. Zeiten herübergetragen

und so sind die Scheidewege einer der wenigen Stromläufe, die europäisch-legitime Fortschrittskritik aus romantischem Erbe mitten in die ökologistische Aufbruchsstimmung der letzten Jahrzehnte transportiert haben - und zwar auf einem Diskussionsniveau, das leider nicht in die Wirklichkeit der Grünen-Bewegungen Eingang fand.

Erfreulich ist, dass in dem vorliegenden Jahrbuch nicht nur dieses Niveau gewahrt bleibt, sondern dass ein Gutteil der Autoren noch nicht die Wendemarke der Fünfzig erreicht hat. Eine Fülle von kontroversen Fragen wird angesprochen, dem Rezensenten gefielen insbesondere der Beitrag von Klaus Meyer-Abich über die geheimen religiösen Impulse der Keimbahn-Bastelei, die grimmige Auseinandersetzung von Stefan Welzk mit dem Neoliberalismus und der schöne Überblick von Barbara von Wulffen über die materialistischen Mäander der jüngeren biologisch-evolutionären Theorie.