Im verregneten Hamburg ist das Büro von Farhad Vladi eine kleine Oase für alle, die von Sommer, Sand und Sonne träumen. Eine mannshohe Palme samt Stoffpapagei ziert eine Seite des Office, die kleine Hängemappe auf dem Sideboard verlockt zum Schaukeln. Und überall an den Wänden hängen Fotos von Inseln rund um den Globus. Das ist der Platz, an dem Farhad Vladi die Träume seiner Kunden managt. Weltweit mehr als 600 Inseln hat der 51-jährige Deutsch-Iraner in den vergangenen 30 Jahren verkauft.

Sein Unternehmen, die Vladi Private Islands GmbH, unterhält neben dem Hamburger Büro auch eine Dependance in Kanada. Des Weiteren arbeitet der Inselmakler mit Experten auf den Bahamas und Schottland zusammen. Vor 21 Jahren trieb es Vladi selbst in die Einsamkeit - der Startschuss für eine außergewöhnliche Geschäftsidee. "Jeder trägt das Inselgefühl in sich", sagt er. "Ich wurde fündig, habe eine Insel gekauft, die später wieder verkauft wurde. Dazu kamen Freunde, die auch eine Insel haben wollten - so entwickelte sich das."

Wer denkt, eine Insel zu besitzen sei nur ein Faible spleeniger Millionäre, dem hält Vladi sein Standardbeispiel entgegen: "Wenn Sie sich ein Auto leisten können, dann können Sie sich auch eine Insel kaufen." Denn für den Neupreis eines Mittelklassewagens - 50 000 bis 60 000 Mark inklusive Steuer und Versicherung - bekomme man bereits ein Traumeiland, nahe am Festland, samt Grundbucheintrag.

Die Kelly-Family erzielte eine Rendite von 200 Prozent

Dabei findet der Lockruf der Insel längst nicht nur bei Aussteigern Gehör.

"Eine Insel ist nichts anderes als eine Immobilie", sagt Vladi. Auch als Geldanlage kann das Traumobjekt interessant sein. Ein Beispiel: Vor Irland habe er der Kelly-Family eine Insel für 950 000 Pfund verkauft, erzählt Makler Vladi. "Nur drei Jahre später haben sie für die Insel 2,8 Millionen Pfund bekommen." Die Rendite der Kellys: fast 200 Prozent. Und die irische Pop-Familie ist nur ein prominentes Beispiel für temporäre Insulaner. Auch Kabarettist Dieter Hallervorden oder der britische Multi-Unternehmer Richard Branson haben sich schon einen Traum verwirklicht - und dabei ganz nebenbei ihre Finanzen aufgebessert.

Den Begriff Inselmakler hört Farhad Vladi nicht gern. Lieber bezeichnet er sich als "Kunsthändler der Natur", denn seine Branche funktioniert ähnlich wie der Kunstmarkt. "Van Goghs werden auch nicht mehr hergestellt, das Angebot ist fix. So ist das auch bei Inseln, und wenn Sie eine gute Insel haben, dann steigt der Preis, genau wie bei einem wertvollen Gemälde." Dazu kommt: Die Nachfrage nach Inseln wächst wegen der besseren Verkehrsverbindungen in alle Welt, dank einer besseren Erschließung - zum Beispiel wegen moderner Anlagen mit Solarenergie - oder der Möglichkeit, mittels Handy auch auf dem Eiland jederzeit erreichbar zu sein.