Gabriele Wollnik findet die Aktion immer noch gut, Bommi Baumann ist anderer Ansicht, und die beiden Jungs in der Mitte, Ralf Reinders und Roland Fritzsch, wissen nicht so recht: sie grienen ein wenig schuldbewusst, sind aber doch sichtlich stolz darauf, Geschichte gemacht zu haben - wenn auch eine nahezu vergessene.

Im Februar 1975 wurde Peter Lorenz, der damalige Vorsitzende der Berliner CDU, von Angehörigen der "Bewegung 2. Juni" entführt - sechs einsitzende Genossen sollten im Austausch freigepresst werden und Pfarrer Heinrich Albertz die Flüchtlinge begleiten. Es waren Bilder, die um die Welt gingen: Albertz auf der Gangway, zuversichtlich winkend, hinter ihm das Mädchengesicht der Terroristin Ina Siepmann. Alles lief prima: Lorenz kam unversehrt zurück, auch Albertz fand heil nach Hause; die "2. Juni"-Militanten landeten in Aden und sind heute zum Teil im Knast oder verschollen. Einen Schönheitsfehler allerdings hatte die Chose: der Staat erwies sich als erpressbar.

All das ausgegraben, zusammengepuzzelt und plausibel gemacht zu haben - diese Ehre gebührt Klaus Stern und Klaus Salge, die mit ihrem Feature gezeigt haben, wie spannend eine Geschichtsstunde im Fernsehen sein kann. Kamera, Schnitt, Montage, Umgang mit Dokus, all das war handwerklich meisterhaft; Text und Message drückten sich bescheiden an den Rand. Kein Besserwissen, kein gebrochener Stab, stattdessen Statements, Storys, Grübeleien. Das einzig Fragwürdige war die Idee, Reinders und Fritzsch, die (inzwischen aus dem Knast entlassenen) Kidnapper, durch die Sendung führen zu lassen: die Kerls mit dem Pennerappeal wussten nicht, ob sie sich nun als Helden fühlen sollten oder als Bösewichte: im Grunde waren sie längst andere geworden und hätten heute gleich mit Lorenz eine Party steigen lassen. Das nahm dem Film einiges von seinem Ernst.