"Abends spricht Hitler im geschlossenen Kreise. Vor 150 Großkopfeten. Es stinkt nach Vornehmheit. Hitler spricht fabelhaft. So hörte ich ihn selten. Der Erfolg ist auch danach", notierte Goebbels über die Veranstaltung. Der Völkische Beobachter zitierte später eine rüde Drohung, die Hitler vor den versammelten Honoratioren ausgestoßen hatte: "Versöhnung gibt es für uns nicht! Es gibt nur eins - Rettung unseres Volkes - und wenn es sein muß durch die Erledigung unserer Gegner!"

Trotz solcher eindeutigen Winke brachte man die Koalitionsverhandlungen erfolgreich zum Abschluss. Am 23. Januar 1930 wurde die neue Regierung (das Staatsministerium) vom Parlament gewählt, ihr Vorsitzender (das Amt des Ministerpräsidenten gab es nicht) war Erwin Baum vom Thüringer Landbund.

Wilhelm Frick als neuer Innen- und Volksbildungsminister erhielt 28 Stimmen der NSDAP, des Thüringer Landbundes, der Wirtschaftspartei, der DVP und der DNVP, 22 Abgeordnete der SPD, KPD und DDP votierten gegen ihn. Rabiat und kompromisslos ging der neue Mann gleich daran, eine "langsame Säuberung des gesamten Verwaltungs- und Beamtenapparats" sowie eine gründliche "Nationalisierung des Schulwesens von den roten Revolutionserscheinungen" durchzusetzen, wie von Hitler kategorisch befohlen.

Im Verlauf seiner fast vierzehnmonatigen Amtszeit wurde in Thüringen eine Wende praktiziert, die bereits Grundzüge jener faschistischen Diktatur vorwegnahm, die drei Jahre später etabliert werden sollte. Arglos, aber durchaus eines Sinnes mit der neuen Politik, gaben die bürgerlichen Parteien ihrem neuen Superminister Frick sogar ein ominöses Ermächtigungsgesetz an die Hand, mit dem die Exekutive weitreichende Vollmachten erhielt.