Die neue Zeit trägt Anzug, Krawatte und hektisch bimmelnde Handys in der Jackentasche. Sie spricht im Parlament über Eigentum und Vertragsfreiheit und nennt den Mann mit dem Aktenkoffer voll neuer Gesetze einen "Freund des mongolischen Volkes".

Die alte Zeit verschanzt sich hinter dunklen Brillengläsern, betritt den Parlamentssaal am Ende der Debatte und hält einen Monolog: "Totale Vertragsfreiheit schafft keine Freiheit. Wahre Freiheit bedeutet, dass alle Menschen gleich sind. Deswegen werde ich verhindern, dass die neuen Gesetze in der Mongolei eingeführt werden."

Es wird still im Parlament. Nur die Mikrofone auf dem Konferenztisch knacken.

Der Mann mit der Aktentasche stößt seinen Nachbarn an. "Da muss man doch was entgegnen!" - "Sei ruhig", flüstert der, "hier geht es nicht wirklich um Ideologie." Sondern um gekränkte Eitelkeit. Genauer gesagt, um ein Zivilrechtsbuch, das der Redner, Abgeordneter der Mongolischen Revolutionären Volkspartei, einst mitverfasst hatte. Und das nun ersetzt werden soll durch das Gesetz aus der Aktentasche. Der Tasche eines deutschen Rechtsprofessors.

Rolf Knieper lehrt seit 1971 Zivilrecht an der Universität Bremen. Doch im Vorlesungsverzeichnis tauchte sein Name in den vielen Jahren nur selten auf.

Statt Studenten die Grundzüge des Schuldrechts einzubläuen, entwarf der 58-jährige Professor afrikanische Bergbaugesetze

statt dem Palandt, dem dickleibigen Kommentar des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), ehrenhaft ein paar Kapitel anzuhängen, tourt er seit 1992 für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) durch Osteuropa und Zentralasien, um 14 postkommunistischen Staaten zu helfen, Regeln für den freien Markt aufzustellen - und damit das Recht zum deutschen Exportschlager zu machen.