Ein bisschen kurios ist das ja schon. Da werden die Freien Demokraten bei einer einzigen Landtagswahl einmal nicht gerupft - und sofort sind sie wieder obenauf. Prosten sich zu mit Champagner und blasen mächtig die Backen auf.

Ausgerechnet ihr dröger Vorsitzender Wolfgang Gerhardt verkündet den kommenden Wiederaufstieg der FDP zur "dritten Kraft in der Bundesrepublik".

Er habe es ja immer gesagt. Und all der Freudentaumel nur wegen des - nun ja, nicht wirklich tollen - Zugewinns seiner Partei von 1,9 Prozent. Tatsächlich ist das schleswig-holsteinische Ergebnis der FDP keineswegs so beeindruckend, wie deren Vertreter großspurig behaupten. Doch wenn die Liberalen nicht einmal aus der historisch größten Krise der CDU handfesten Profit schlagen können, wann sollte die FDP dann überhaupt noch einmal richtig in Gang kommen?

Womöglich gar nicht mehr. In der Mediendemokratie erregt sich die Öffentlichkeit schnell, doch sie vergisst auch wieder. Gleichgültig, ob es Wolfgang Gerhardt am kommenden Wochenende gelingt, seine sturen hessischen Parteifreunde auf deren Landesparteitag im Städtchen Rotenburg an der Fulda zur Trennung vom schurkischen Christdemokraten Roland Koch zu nötigen - eine zählbare Dividende bei kommenden Wahlen wird die Intervention nicht abwerfen.

Jetzt nicht mehr. Schon in Schleswig-Holstein war die Pose der bürgerlichen Glaubwürdigkeitspartei für die Liberalen weniger einträglich, als sie erhofft hatten. Bis zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Mai wird sie vollends wertlos sein. Dort hat Jürgen Möllemann sowieso eigene Vorstellungen davon, wie Liberalismus in den Zeiten des Dauerstaus auf deutschen Straßen zu buchstabieren sei.

Noch erscheint seine Auto-FDP als ziemlich durchgeknallte Vision. Bis es so weit ist, könnte die FDP in Hessen längst wieder ohne Macht sein - sofern sich Gerhardt mit seinem Anti-Koch-Kurs durchsetzt. Dann hätte der Parteivorsitzende gewonnen - und wäre seinen Job wohl ziemlich bald los.

Gerade deshalb.