Wie eine Eliteakademie sieht der Fachbereich Fahrzeugtechnik der Hamburger Fachhochschule nicht aus. Doch die Studenten, die in dem Siebziger-Jahre-Zweckbau ausgebildet werden, gehören zu den gefragtesten Autokonstrukteuren der Republik. Wenn die Diplomanden ihre alljährliche Abschlussfeier ausrichten, stehen Großkonzerne wie DaimlerChrysler, BMW und Volkswagen Schlange, um den Absolventen zu gratulieren. Wie auf einer Messe bauen nicht weniger als 50 Autokonzerne, Flugzeugbauer und Zulieferfirmen bunte Info-Stände auf, stiften nagelneue Autos für die Forschung - und mischen ihre Headhunter unter die Studenten.

Deren Augenmerk richtet sich besonders auf die jüngeren Semester. Dass sie sich um den Abschlussjahrgang schon gar nicht mehr zu bemühen brauchen, wissen die Weltkonzerne. Längst haben alle ihre Arbeitsverträge in der Tasche - die meisten schon ein, spätestens ein halbes Jahr vor der letzten Prüfung.

Dass heute neben Ingenieuren auch Designer lehren, sieht man dem Labor an: Wie in einem Spielzeugmuseum für Außerirdische drängen sich Hunderte futuristischer, bunt angemalter Automodelle in den Wandregalen. Immer neue Prototypen hecken die Studenten aus - zunächst an Computern und Zeichentischen, mit Glück später sogar auf der Teststrecke. Ein Mercedes, den eine Gruppe von Studenten zu einem Leichenwagen umfunktionierte, wird inzwischen als "Oberklasse unter den Bestattungswagen" (Werbeprospekt) in Serie produziert.

"Wir holen gerne Leute von der Hamburger Fachhochschule, weil dort eine ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet wird", sagt eine Sprecherin von DaimlerChrysler. "Anders als an Universitäten werden die Ingenieure dort sehr praxisorientiert ausgebildet." Das wissen auch die anderen Autobauer.

Wenn sie Fachleute zu Vorträgen an die Fachhochschule schicken, bringen diese oft Kollegen aus den Personalabteilungen mit. Mit kostenlosen Wochenendtrips und hoch bezahlten Ferienjobs buhlen die Firmen, darunter auch Ingenieurbüros und Zulieferer, schon um die Studienanfänger. "So verrückt wie in diesem Jahr waren die Firmen noch nie", sagt Heinz Krisch.

Jetzt will der Dekan sich verstärkt um den weiblichen Nachwuchs kümmern. Bisher sind an seinem Fachbereich von den mehr als 1100 Studenten nur 34 Frauen. Trotzdem sagt Krisch: "In den letzten Semestern haben wir schon beachtliche Fortschritte gemacht."

Da hat er Recht. 1977 waren es nur drei.