Denkmalschutz im Allgemeinen ist Ländersache. Denkmalschutz im Besonderen, nämlich die besondere Lage der Stadt Bonn betreffend, ist jedoch Bundessache. Bundesbedienstete in Berlin bekommen zum Beispiel Freiflüge auf Bundeskosten zum Karneval nach Bonn; denn ohne sie wäre der Karneval in Bonn einsturzgefährdet oder doch zumindest nur halb so komisch. Humorlose Berliner werden darin vielleicht eine neue Flugaffäre vermuten; sie sollten aber bedenken, dass es sich um nicht mehr als eine substanzerhaltende Maßnahme handelt. Denn die Substanz, die in dem Bundesdenkmal Bonn geschützt werden soll, schließt das lokale Brauchtum ein; es handelt sich um ein so genanntes lebendiges Denkmal, und der Karneval ist sozusagen nur der Tag der offenen Tür, bei dem gezeigt wird, was vor dem Verfall in letzter Minute gerettet wurde. In Berlin wäre die Rettung misslungen; denn Thierse hat in seiner zynischen Verachtung teutschen Volksgutes den Berliner Plenarsaal für das Treiben der Karnevalisten gesperrt, während in Bonn die Abgeordneten über Tisch und Bänke springen durften.

Der "Sonder-Shuttle-Flugplan-KARNEVAL für Dienstreisende, gültig vom 02.03.-08.03.2000" kann daher als Notopfer Deutsche Einheit verstanden werden, um die ehemals blühenden Landschaften im Westen nicht gänzlich vertrocknen zu lassen. Jeder Bundesbedienstete selbst beteiligt sich daran; denn er muss für die Reise an den Rhein Urlaubstage opfern. Wer in diesen Bedingungen - kostenlose Dienstreise einerseits, Urlaubstage andererseits - abermals eine unzulässige Vermischung des Privaten mit dem Amtlichen sehen will, zeigt damit nur, dass er die Prinzipien des Bundesdenkmalschutzes für folkloristische Unternehmungen noch nicht verstanden hat.

Das aber heißt: Man kann unmöglich den Westdeutschen verwehren, was man für die Ostdeutschen bereitwillig getan hätte. Wenn es einen Denkmalschutz Ost hätte geben können, dann muss es heute einen Denkmalschutz West geben dürfen.