Schicksalwahl im Norden hat die Talk-Lady aus Berlin ihre Sendung genannt - aber es war weniger diese Wahl, an der sich die Streitlust ihrer Gäste entzündete, als das Schicksal der Politiker, sofern sie in der Öffentlichkeit Rollen spielen. Wie gern möchten sie alle wieder im Glanz der gewohnten Süffisanz vorm Volk paradieren - aber es hat da eine Affäre gegeben, manche sprachen gar von "Staatskrise", also ist Vorsicht geboten, man weiß nicht, was noch alles rauskommt. Der gesamten Politikerkaste ist ihre Präpotenz wie ein geliehenes Kostüm von den Schultern gerutscht - betreten schauen die Damen und Herren auf ihre Fußspitzen und unterdrücken Flüche. Im Fernsehen lässt sich das wunderbar verfolgen. So klein mit Hut sind sie, unsere Abgeordneten und Staatslenker, und so versessen darauf, möglichst morgen wieder ganz groß rauszukommen.

Sabine Christiansen hatte Blüm und Rüttgers eingeladen; die freuten sich über das Abschneiden der CDU in Schleswig-Holstein, das weit verheerender hätte ausfallen können, und übten sich als Vertreter der Skandalpartei in angesagter Bescheidenheit. Aber wehe, der Herr Beck aus Rheinland-Pfalz (SPD) oder die Grüne Künast rekelten sich ein bisschen zu lässig im Sessel - sofort fielen die anderen über sie her mit Reizworten wie WestLB oder Glaubwürdigkeit. Die eine Krähe hackt auf der anderen rum, um sie zu zwingen, sich ebenfalls schuldbewusst zu geben; wenn schon, dann soll gleich die ganze "Parteiendemokratie" wegen Vorteilsnahme auf die Büßerbank, nicht nur die CDU und schon gar nicht einzelne ("verdiente") Personen ... Denn dadurch, dass alle schuld sind, ist es am Ende niemand. Wäre das nicht wunderschön?

Es ist seltsam, aber im Fernsehen kommt der betretene Politiker besser raus als das Großmaul. Blüm wusste das immer schon, und er machte auch diesmal das Beste draus, indem er mit leiser Stimme von guten Vorsätzen sprach.