Sonntagabend, Tatort- Zeit. Gerade hat der Mörder sein erstes Opfer gemeuchelt - da klingelt das Telefon, die Oma ist dran. Zwar dauert der Austausch der familiären Neuigkeiten nur eine Viertelstunde - aber der Handlungsfaden ist gerissen, weitergucken zwecklos.

Wer geistesgegenwärtig genug ist und wirklich Wert auf den Krimi legt, der drückt vielleicht noch den Aufnahmeknopf des Videorekorders und zeichnet den Film auf. Das bedeutet: über eine Stunde warten, bis der Film zu Ende ist und man das Video anschauen kann. Aber dann wird es spät - und außerdem verpasst man Sabine Christiansen, denn gleichzeitig aufnehmen und abspielen kann kein herkömmliches Videogerät. Von der längst sprichwörtlichen Schwierigkeit des Programmierens ganz zu schweigen.

Möglich wird all dies, weil das Gerät die Sendungen nicht auf eine Videokassette aufnimmt, sondern auf eine Festplatte. Bis zu 30 Stunden in VHS-Qualität passen auf die 30-Gigabyte-Platte eines Gerät namens TV Server, entsprechend weniger bei schärferen Bildern. Zwei Programme kann man gleichzeitig aufnehmen - beziehungsweise je eines aufzeichnen und abspielen. Möglich ist es auch, eine laufende Sendung anzuhalten, sich die letzten Szenen in Zeitlupe anzusehen und dann weiterzuschauen.

Bei der Programmierung hat sich die Firma etwas Pfiffiges einfallen lassen. Noch vor der Auslieferung ihres Gerätes hat sie unter der Adresse www.tvtvtv.de einen elektronischen Programmführer im Internet gestartet, der die Sendungen aller deutschen Sender in den nächsten zwei Wochen auflistet. Den kann sich der Zuschauer auch auf dem Fernsehschirm zu Gemüte führen. Dazu ist kein Internet-Anschluss notwendig - die Programminformationen werden in der so genannten Austastlücke des Fernsehbildes übertragen, die auch die Videotext-Informationen enthält. Auf welchem Sender das geschehen soll, will die Firma jedoch noch nicht preisgeben.

Der TV-Fan sucht sich per Fernbedienung die Sendungen aus, die er aufnehmen will. Er kann das aber auch übers Internet tun: Wer vergessen hat, seine Lieblingssendung zu Hause zu programmieren, loggt sich etwa am Arbeitsplatz ins Netz ein, legt die aufzuzeichnenden Sendungen fest, und die Programmierdaten werden über die Videotext-Lücke an den TV Server übertragen. Natürlich verschlüsselt und nur vom eigenen Gerät zu erkennen, beteuert der Hersteller - wer will schon, dass seine persönlichen Programmvorlieben in die gesamte Republik ausgestrahlt werden.

Noch sind einige Fragen zu der neuen Technik offen. Auch ein 30-Stunden-Speicher ist irgendwann voll, und dann stellt sich das Problem der Archivierung. Eine Möglichkeit ist die Überspielung auf herkömmliche Videokassetten. Aber dabei leidet die Bildqualität. Technisch wäre es kein Problem, von den gespeicherten Filmen eine digitale CD oder DVD zu brennen. Doch das kollidiert noch mit dem Urheberrecht, deshalb hat der Hersteller diese Option bislang nicht eingebaut.

Die Geräte werden zunächst noch deutlich mehr kosten als herkömmliche Videorekorder: 5000 Mark muss man für den schmucken TV Server hinblättern. Dafür hat das Gerät einen eingebauten Monitor, auf dem man die Aufzeichnung betrachten kann, während im Fernsehen etwas anderes läuft. Wer es billiger haben will und einen guten PC mit voluminöser Festplatte besitzt, der kann für 1500 Mark den Computer zum Videorekorder hochrüsten. Der Nachteil: Man muss ein Kabel vom PC zum Fernseher verlegen.