Düsseldorf

Für einige ist sie eine ganz normale Staatsbank, für andere die "vierte Macht" (so ihr früherer Chef Ludwig Poullain), für Lästermäuler ein Reiseunternehmen mit angehängter Bankabteilung - die Westdeutsche Landesbank, kurz WestLB, hat viele Gesichter.

Laut Satzung ist die WestLB Staatsbank des Landes Nordrhein-Westfalen und Girozentrale der regionalen Sparkassen. Die Statuten gestatten der Bank jedoch Geschäfte aller Art. Und so sieht man sich als "universell und international tätige Geschäftsbank", wie es im letzten Geschäftsbericht heißt, mit Niederlassungen von London und New York über Singapur, Hongkong und Tokyo bis Shanghai und Sydney. In der Rechtsform einer "Anstalt des öffentlichen Rechts" finanziert die WestLB weltweit Außenhandelsgeschäfte und industrielle Großprojekte, fusioniert und kauft Firmen, führt junge Unternehmen an die Börse und legte sich in der Londoner City eine global tätige Investmentbank zu. Mit rund 10 600 Mitarbeitern erwirtschaftete der Düsseldorfer Konzern (Bilanzsumme: 809 Milliarden Mark) 1998 ein Betriebsergebnis von 1,32 Milliarden Mark.

Die Verquickung unterschiedlicher Interessen spiegelt sich bereits im Eigentümerkreis der Bank. Als größter Einzelgesellschafter ist das Land mit 43,2 Prozent an der WestLB beteiligt, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen halten je 16,7 Prozent und die Landschaftsverbände beider Regionen je 11,7 Prozent. Die Zusammensetzung des Verwaltungsrates hängt indirekt von den Ergebnissen der Kommunal- und Landtagswahlen ab, Parteipolitik spielt im höchsten Kontrollgremium der WestLB folglich eine wichtige Rolle.

Dank politischer Rückendeckung kam Neuber schnell nach oben

Friedel Neuber war prädestiniert, sich in diesem Beziehungsgeflecht zu behaupten. Nach der Volksschule absolvierte der Eisenbahnersohn aus Rheinhausen bei Krupp eine Lehre als Industriekaufmann. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Geschäftsführer des Bertha-Krupp-Krankenhauses in Duisburg zog er mit 26 Jahren für die SPD als damals jüngster Abgeordneter in den Düsseldorfer Landtag ein. Ganze acht Jahre brauchte er dann noch, um es zum Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes zu bringen und damit in den innersten Machtzirkel der Landesbank zu gelangen. Als 1981 Bankchef Johannes Völling geschasst wurde, schlug die Stunde des geschickten Taktierers Neuber.

An praktischer Bankerfahrung hatte der Funktionär bis dahin nichts vorzuweisen, und ohne die Hilfe seines Freundes und Förderers Johannes Rau wäre der große Karrieresprung sicher nicht geglückt. Politischer Rückendeckung bekam der ehrgeizige Seiteneinsteiger noch von einem anderen Gefährten aus Jugendzeiten: Heinz Schleußer. Dieser hatte Neuber schon 1962 für das Amt des Juso-Bezirksvorsitzenden vorgeschlagen. Gut ein Vierteljahrhundert später, mit Schleußers Berufung zum Finanzminister und seinem damit verbundenen Eintritt in das Präsidium des WestLB-Verwaltungsrates 1988, wurde das Gespann Neuber/Schleußer zum geräuschlos funktionierenden Scharnier zwischen Land und Bank.