die zeit: Herr Fini, ihre Partei war vor sechs Jahren Mitglied der Regierungskoalition. Der deutsche Bundeskanzler hat in einem ZEIT-Gespräch erklärt, Europa müsste wie im Fall Österreich intervenieren, falls in Italien wieder Neofaschisten an die Regierung kommen. Damit meinte er wohl Sie.

Gianfranco Fini: Der Kanzler ist offensichtlich schlecht über Italien informiert. Kritik an der Aussage Schröders kam ja nicht nur von der Rechten.

Auch unser Staatspräsident hat die klare Antwort gegeben: In Italien gibt es keine neofaschistischen Parteien. Sollte also bei den nächsten Wahlen eine Mitte-Rechts-Koalition gewinnen, wird es für Europa keine Probleme geben.

Keiner wird die Werte der Europäischen Union infrage stellen.

zeit: Sprechen Sie der EU ein Recht auf Einmischung in einem Mitgliedsland zu?

Fini: Das ist eine sehr heikle Angelegenheit. Die Mitglieder der EU haben in den Verträgen von Maastricht und Amsterdam Souveränitätsrechte abgetreten. In diesen Verträgen sind Prinzipien festgehalten, an die sich alle halten müssen. Wenn also die Regierung eines Mitgliedslandes gegen diese Prinzipen verstößt, ist eine Reaktion der EU gerechtfertigt. Gleichzeitig denke ich, dass es die Intervention der EU nur wegen einer konkreten Aktion einer Regierung geben kann, aber nie präventiv. Im Falle Österreichs muss man sehen: Haiders Programm ist nicht das Programm der Regierung. Ich hätte daher eine Intervention der EU erst für den Fall eines Regelverstoßes der österreichischen Regierung vorgezogen. Aber den gab es nicht. Durch ihren "Präventivschlag" hat die EU Haider nur genützt. Es ist nämlich der Eindruck entstanden, Österreich sei eine Demokratie mit beschränkter Souveränität.

zeit: Sprechen wir über Sie und Ihre Partei. Im Jahr 1994 haben Sie Mussolini als den "größten Staatsmann des Jahrhunderts" bezeichnet. Im selben Jahr haben Sie über die Landung der Alliierten in der Normandie gesagt: "An diesem Tag hat Europa einen Teil seiner kulturellen Identität verloren." Bei solche Aussagen ist die Skepsis, die Ihnen entgegenschlägt, nicht verwunderlich.