Unsere Stadt soll schöner werden, auch unterirdisch. Der Verkehrsbeauftragte Herr Strieder möchte nicht, dass es Menschen gibt, die in U-Bahnhöfen herumlungern, also erfindet er ein Sperrsystem für die Eingänge. Schranken für die, die Schranken verdienen. Man kann nur hoffen, dass diesem Beispiel auch überirdisch gefolgt wird.

In Hamburg gab es bereits die ersten Experimente. Herumlungerer und die, die ihre Hand aufhielten, wurden aus dem Innenstadtbereich in die Vororte verschickt. One-Way-Ticket. Vorortbewohner waren nicht begeistert, aber im Zentrum war alles schön. Berlin muss nachziehen, Berlin muss sich befreien von Menschen, die das schöne Bild zerstören. Vielleicht springt dann auch niemand mehr aus dem Fenster, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen.

Vielleicht führt das zu einem Verzicht auf Kampfhunde, und bestimmt geht oder fährt niemand mehr schwarz oder unansehnlich gekleidet.

Zurück zum guten Geschmack. Den kann auch jeder für sich üben, zu Hause, im Familienverbund oder am Stammtisch. Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Das ist ein Irrtum, und wir brauchen Menschen wie Herrn Strieder, die uns an unseren guten Geschmack erinnern, ab und zu. Wohin also mit dem Überschuss?

In eine Entsorgungsanlage im Herzen der Stadt oder vielleicht doch nach Pankow oder Lichtenrade. Besser wäre Brandenburg, am besten gleich Polen. Wir fühlen uns dann sicherer und sauberer und ordentlicher, und die Berliner Polizei kann endlich anfangen, die angehäuften 1,4 Millionen Überstunden abzubummeln.

Wirklich empfehlenswert sind übrigens die Platten Horse von The London Daddylonglegs und Exterminator von Primal Scream. Außerdem das Buch Kometen von Stefan Beuse und der Film Felicia von Atom Egoyan. Das sind die Dinge, die mich so beschäftigen.