Johannesburg

Verzweifelte Menschen, die vor der lehmbraunen Sintflut auf Bäume, Reetdächer und Bodenkuppen geflohen sind, Tierkadaver, versunkene Dörfer, ein Gebiet von der Größe der Niederlande überschwemmt: es sind Bilder des Jammers, die uns von der Hochwasserkatastrophe in Mosambik erreichen.

Ausgerechnet Mosambik! Geplündert von den portugiesischen Kolonialherren, verwüstet in 17 Jahren Bürgerkrieg, in den Statistiken der Vereinten Nationen lange Zeit als ärmstes Land der Welt geführt. Dann, 1992, endlich Frieden, zwei Jahre später die ersten freien Wahlen. Seither ging es stetig bergauf, man sprach sogar von einem kleinen Wirtschaftswunder. Und nun ein Desaster von biblischen Ausmaßen.

Regen. Regen. Regen. Drei Wochen, fast ununterbrochen. Dazu Eline, ein tropischer Wirbelsturm, der vorige Woche weite Landstriche von Simbabwe, Botswana, Südafrika und Mosambik heimsuchte. Flüsse traten über die Ufer, Dämme barsten. Hunderte von Menschen ertranken, eine Million sind obdachlos.

Straßen, Brücken, Strommasten, Telefonleitungen wurden zerstört, die Ernte ist vielerorts verloren.

Mosambik hat es am schlimmsten erwischt. Dort wurden die Früchte des Aufschwungs buchstäblich weggeschwemmt. Experten schätzen, daß die Schäden das Land um drei Jahre zurückwerfen - drei verlorene Entwicklungsjahre.

Es ist, als würden sich mit gnadenloser Regelmäßigkeit auch noch sämtliche Wetterteufel gegen die Ärmsten der Armen verschwören. 39 der 42 höchstverschuldeten Staaten - darunter auch Mosambik - liegen in tropischen oder ariden Zonen und sind von der Natur stark benachteiligt: extreme Klimaschwankungen, magere Böden, tückische Krankheitserreger. Die Lebenserwartung in diesen Regionen beträgt 51,5 Jahre, während sie in unseren gemäßigten Breiten bei 76,9 Jahren liegt.