Es gibt Menschen, bei denen lösen bestimmte Vokabeln reflexhafte Reaktionen aus. Bei Wendelin Wiedeking ist es das Wort "Großkonzern". Wo immer er die Gelegenheit bekommt, zieht der Vorstandsvorsitzende der Dr. Ing. h. c. F.

Porsche AG über diese unbeweglichen Riesen her. Packt jene, wie derzeit, auch noch kollektiver Paarungstrieb, höhnt der selbst ernannte "Mittelständler": "Auch die Dinosaurier sind seinerzeit immer größer geworden - und am Ende ausgestorben."

Nun ist Porsche kein kleines Unternehmen. Gut 8700 Menschen schaffen für den schwäbischen Sportwagenbauer, dem der 47-jährige Westfale vorsteht

6,2 Milliarden Mark Umsatz sind kein Pappenstiel. Doch obwohl Wiedeking "keine einzige" Porsche-Aktie besitzt und ein Gehalt bezieht, besteht er darauf, Unternehmer zu sein: "Ich fühle mich nicht als bezahlter Angestellter." Ohne diese Selbsteinschätzung könnte er seine Botschaft nicht so vollen Herzens verkünden.

An einem Januarabend im feinen Hamburger Hotel Atlantik bekommt er wieder mal eine ideale Gelegenheit, gegen seine Lieblingsgegner vom Leder zu ziehen. Die Crème de la Crème der deutschen Wirtschaft gibt sich ein Stelldichein. Es sollen die Unternehmen mit dem besten Image ausgezeichnet werden.

Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle, mächtiger Strippenzieher der Deutschland AG, ist ebenso erschienen wie Lufthansa-Überflieger Jürgen Weber oder Hans-Dietrich Winkhaus, Chef des Waschmittelriesen Henkel - Bosse von Großkonzernen eben. Doch der Star des Abends ist Wendelin Wiedeking. In einer Befragung des manager magazins haben 2500 Führungskräfte Porsche zum Unternehmen mit dem höchsten Ansehen in Deutschland gekürt.

"Er hat es verdient", sagt ein BMW-Manager so, dass Wiedeking es hören kann.