Im empfehlenswerten Buch Mein Mann, der Kommunist von Philip Roth geht es um den Verrat als wesentliches Ferment der menschlichen Gemeinschaft: Die Verräter sind aneinander gebunden und konstituieren auf diese Weise das soziale Leben. Wen sonst sollten die Leute auch verraten als ihresgleichen, als ihren Nächsten oder wenigstens den Nächstbesten? Alle machen sich miteinander gemein, selbst die moralischen Puristen können ihre Unbeflecktheit nur auf Kosten anderer aufrechterhalten.

Am Schluss aber, wohl müde geworden vom Allzumenschlichen, zerschlägt Roth den Reigen des Übels und der Üblen, indem er einen Blick aufs Firmament wirft: Dort herrschen die astronomischen Gesetze, der ewige Kreislauf der Gestirne, also die absolute Gleichgültigkeit gegenüber dem Treiben der Menschen, und diese Gestirne sind - ganz anders als der eitle Luxus menschlicher Verblendungen - "unverzichtbar".

Dieses populäre Argument erinnert mich an einen anderen Roman, nämlich an Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk. Dort fällt, wenn ich mich recht erinnere, der Satz: "Was ist schon ein Hauptmann gegen den Kosmos!" Da im Roman Krieg herrscht, weiß der Leser, dass der Kosmos nur eine Ausrede ist, um die lächerliche Übermacht des Hauptmanns auf Erden sich ironisch vom Leibe zu halten. Das Leben der Menschen aber ist, was es ist: Es lässt sich nicht durch das Ganz-Andere, und sei es durch die Erhabenheit der Gestirne, ad absurdum führen. Mit Vergnügen lese ich in dem Buch Der Sinn des Lebens, herausgegeben von Christoph Fehige, Georg Meggle und Ulla Wessels, erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag, wie der amerikanische Philosoph Thomas Nagel dieses Sinnproblem in meinem Sinn diskutiert: "Wir sind winzige Staubkörnchen in den unendlichen Weiten des Alls

die Spanne unseres Lebens ist selbst in erdgeschichtlichen, ganz zu schweigen von kosmischen Dimensionen nicht mehr als ein Augenblick

wir können alle jeden Moment tot sein."

Aber diese schöne Aussicht hilft nichts, ihretwegen ist unser Leben nicht "absurd", denn, so Nagel, "wir nehmen uns ernst, ob wir nun ein ernstes Leben führen oder nicht". Für mich heißt das: Es gibt kein Diktum über den Sinn oder den Unsinn des Lebens, das uns die Ernsthaftigkeit des Daseins, inklusive seiner Lächerlichkeiten, abnehmen würde.

Fragte mich jemand nach dem Sinn, hätte ich sofort die Antwort: Der Sinn des Lebens ist ein Film von Monty Python. So klug sind die Herausgeber des Buches schon lange, und sie lassen es in ihrer Textsammlung an Komikern nicht fehlen. Einer hat sich ja geradezu schematisch den urkomischen Wirkungen verschrieben, die aus der Diskrepanz zwischen dem Allumfassend-Umgreifenden der Antwort und den Nöten des sehr endlichen Sinnsuchers herrühren: "Die Zukunft hält große Chancen bereit, aber auch Fallstricke. Der Trick wird sein, den Fallstricken zu entgehen, die Chancen zu ergreifen und um sechs Uhr wieder zuhause zu sein."