Das Gute an einem Fußballspiel ist das klare Ergebnis. Bei einer Modenschau ist das anders. Erst wenn am Tag danach die International Herald Tribune vorliegt mit dem Verdikt der Modekolumnistin Suzy Menkes, ahnt der Designer, ob er gewonnen oder verloren hat. Abends im Pariser Carrousel du Louvre sammeln die Ordnungskräfte deshalb zahllose Herald Tribune-Ausgaben - ungelesen bis auf die herausgerissene Modeseite.

Ähnlich wird es in diesen Tagen nach Nicolas Ghesquières Schau für das Modehaus Balenciaga aussehen. Auch er wird zittern. Anders als etablierte Kollegen wie Dries van Noten und John Galliano gilt der 28 Jahre alte noch als junges Talent. Vor drei Jahren übernahm der junge Ghesquière und macht nun mit kunstvoll geschwungenen Kreationen von sich reden. Noch wird der Franzose von der Pariser Szene hochgelobt, doch irgendwann ist der Jungstar-Hype zu Ende, und bis dahin muss er im Sattel sitzen. Etwa so wie Marc Jacobs. Das amerikanische Wunderkind hat es geschafft, mit seinen Entwürfen für Louis Vuitton einen neuen Logowahn zu entfachen. Oder Michael Kors, der mit eleganten Entwürfen die Marke Céline wieder flottgemacht hat.

Freier lebt es sich als Einzelkämpfer, allerdings auch entbehrungsreicher, denn ein Etat für Marketingkampagnen ist selten vorhanden. Viele der angesagten Jungen, zum Beispiel Jeremy Scott, Oliver Theyskens, Veronique Branquinho, Raf Simons oder der Deutsche Bernhard Willhelm zeigen ihre Kollektionen in eigener Regie. Theyskens, 23, ist gerade das Lieblingskind der Szene, und einer seiner Entwürfe war im New Yorker Metropolitan Museum ausgestellt. Und dann hat auch noch Madonna bei dem Belgier eingekauft.

Willhelm ist Absolvent der renommierten Antwerpener Kunstakademie, macht indes avantgardistische Dirndl. Seit vergangenem Jahr taucht der gebürtige Ulmer sogar im offiziellen Schauen-Kalender auf. Was das bedeutet?

Die Prêt-à-porter-Woche läuft mehrgleisig. Es gibt die offiziellen Kollektionsschauen und daneben die kleineren Präsentationen sur rendez-vous, meist in einem Showroom. Da genügt es, die Kleider hübsch arrangiert auszulegen und Champagner zu servieren. Daneben laufen die Off-Präsentationen junger Nachwuchsdesigner, auf denen vielleicht der nächste Jungstar zu entdecken ist. Den Großteil dieser Prêt-à-porter-Woche verbringen die Modeleute ohnehin auf der Suche nach der nächsten Schau.

Statt in den als steril verschrieenen Sälen des Carrousel du Louvre präsentieren viele Modemacher lieber an Orten mit Atmosphäre - Ghesquière entschied sich diesmal für ein Kloster. Castelbajac verfiel in der letzten Saison auf die Haushaltswarenabteilung eines Kaufhauses, und Walter Van Beirendonck lud vor ein paar Jahren im kalten Winter auf die Trabrennbahn.