Betrachten wir die Sache einmal so: Jörg Haider ist auf die Weltbühne getreten. Er hat einen Veitstanz aufgeführt und die Zuschauer ordentlich erschreckt. Danach ist er mit Getöse wieder auf die Provinzbühne Kärnten zurückgekehrt. Dort ist ihm der Applaus sicher. Haiders Schauspielerkollegen in der österreichischen Regierung bleiben allein im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Spielen sie ihre Rollen schlecht, ist ihr Ziehvater nicht schuld. Dann wird der Chef bei der nächsten Gelegenheit kommen und es selbst richten. Sind sie aber richtig gut, hat er ihnen durch seinen Rücktritt als FPÖ-Obmann den Weg zum Erfolg geebnet. Dann wird es heißen: Hat das Ensemble schon etwas Ordentliches vorgelegt, was für ein Feuerwerk wird es erst geben, wenn sein Schöpfer wieder nach vorne drängt? Für Spannung ist gesorgt.

Wie auch immer die Regierung werkelt - Haider bleibt unbeschädigt. Selbst das Publikum wird sich spalten. Gegen wen soll es denn nun seine Buhrufe richten, wenn der Bösewicht nicht auftritt? Die Theaterkritiker loten schon die Lücke aus, die er hinterlassen hat. Aber das Interesse legt sich schnell. Wer will schon eine Aufführung ohne den Star sehen? Schon allein deshalb wird Haider zurückkehren. Ein Österreich ohne Publikum ist nämlich kein Österreich.

So hat Haider wieder einmal alle an der Nase herumgeführt. Gerade hat man vor seiner Gier nach Macht gewarnt, schon gibt er sie auf

man hat ihn als verkappten Nazi bezeichnet, und schon steht er an der Tür eines Konzentrationslagers, um Abbitte für die Sünden der Väter zu leisten

er gilt als Minderheitenverächter, schon holt er sich einen Slowenen zum Protokollchef. Eine richtige Berühmtheit tut eben nie, was von ihr erwartet wird. Das hat der Jörgl von der Popdiva Madonna gelernt. Haider folgt durchaus einer inneren Notwendigkeit.

Alles Theater also? Leider nicht ganz. Haider ist abgetreten, sein Drehbuch bleibt. Es trägt den sperrigen Titel: Systemumbau. Es geht dabei nicht um eine "Durchlüftung" des miefigen Österreich, um das Ende des berüchtigten österreichischen Parteienproporzes

es geht um Fundamentaleres: um die Zukunft der repräsentativen Demokratie. Haider hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn alles stört, was langsam ist. Schnelle Entscheidungen müssen her, mühsamer demokratischer Ausgleich ist seine Sache nicht. Da liegt er durchaus im Trend der Zeit, der sich Globalisierung nennt und per definitionem grenzenlos ist - so wie Haider eben.