die zeit: Wie wird man als Germanistin und Soziologin Geschäftsstellenleiterin in der Informatikbranche?

Doris Siegert: Mir war nach meinem Studium völlig klar, dass ich in meinem Fachgebiet keine großen Karrierechancen haben würde. Also machte ich einen Schnitt und tat etwas völlig anderes: Ich lernte Programmieren. Schon während meines Soziologiestudiums war mein Interesse für EDV geweckt worden.

zeit: Wie das?

Siegert: Wir haben unter anderem empirische Sozialforschung betrieben und die Auswertungen mit SPSS, einem speziellen Computerprogramm, durchgeführt. Das interessierte mich. Ich habe mich dann beim Arbeitsamt Nürnberg um eine Umschulung zur Kommunikationsprogrammiererin gekümmert. Die dauerte ein Jahr, und danach, das war 1989, hatte ich sofort eine Stelle. Und zwar bei der CGI Informatik Deutschland GmbH, wo ich auch heute noch tätig bin.

zeit: Fühlen Sie sich als Paradiesvogel in der Welt der Informationstechnik?

Siegert: Nein. Für die IT- Branche ist es typisch, dass man nicht über einen akademischen Titel Karriere macht, sondern über das Know-how. Wir haben viele Quereinsteiger: Lehrer, Musiker, einer meiner Mitarbeiter kommt von der Bundeswehr. Informatiker haben nicht automatisch bessere Chancen, weil sie oft nur neue Techniken anwenden wollen, wie sie es an der Uni getan haben.

Der Praxisbezug fehlt ihnen aber häufig.