Alle reden von Konzentration und Globalisierung, wir ziehen die Konsequenzen." Mit diesen Worten begündete der spätere Vorstandsvorsitzende Edgar Jannott im Juli 1997 die Fusion von Hamburg-Mannheimer und Victoria.

Hinzu gesellten sich noch die Krankenversicherung DKV und die Rechtsschützer der D.A.S. Damit hatte Jannot die zweitgrößte Versicherung in Deutschland zusammengefügt - mit stillen Reserven von mehr als 20 Milliarden Mark, Kapitalanlagen von mehr als 100 Milliarden und 40 000 Beschäftigten. Ihr Kunstname: Ergo. Die Neue steht seitdem unter dem breiten Konzerndach der Münchener Rück. Lediglich ein Drittel der Ergo-Aktien befindet sich in Streubesitz.

Mit der Fusion lag Ergo im Trend. In den neunziger Jahren rauschte eine Welle von Zusammenschlüssen über die Assekuranz. Ausgelöst hatte sie die Öffnung der Grenzen im Europäischen Binnenmarkt. Die sicheren Pfründen auf dem abgeschotteten deutschen Markt schienen bedroht, viele Unternehmen suchten ihr Heil in schierer Größe. Am Beispiel Ergo zeigten sich fortan allerdings auch die Probleme von Fusionen: So liegen zwischen den Computersystemen der vier Unternehmen wohl immer noch Welten - dabei gilt vor allem die EDV als eines der Felder, auf denen die gern beschworenen Synergieeffekte blühen.

Obendrein sorgen sich die Beschäftigten um ihre Zukunft. Auch Brigitte Jakob von der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen spricht von "Spannungen" im Konzern, weil kein klares Konzept zu erkennen sei.

Einerseits setzt Ergo auf seine vier Marken, schiebt anderseits aber Kundenverträge hin und her: Die DKV etwa vermittelt ihr so genanntes Lebengeschäft an die Hamburg-Mannheimer

dort wiederum reicht man Policen an die Ergo-Zentrale am Düsseldorfer Victoriaplatz weiter. Konkurrent Axa agiert anders: Die Franzosen setzen auf eine radikale Eine-Marke-Strategie und lassen dafür die traditionsreichen Namen Albingia und Colonia verschwinden.

Auch Verbraucherschützer stehen dem zusammengewürfelten Unternehmen eher kritisch gegenüber. "Die meisten Produkte von Ergo sind uns nicht positiv aufgefallen", sagt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Zudem genießt gerade die "Herr Kaiser"-Versicherung Hamburg-Mannheimer den zweifelhaften Ruf, ihre Produkte durch Drückerkolonnen besonders aggressiv feilzubieten. Die Folge: eine überdurchschnittlich hohe Zahl von kostenträchtigen Stornierungen.