Unsere britischen Nachbarn beklagen schon wieder den Ausverkauf eines Nationalsymbols. Jetzt wechselt Tetley Tea in ausländische Hände, die 160 Jahre alte koloniale Traditionsfirma und Erfinderin des Teebeutels - und der Käufer stammt ausgerechnet aus Indien, wohin die Briten den Tee überhaupt erst geschafft hatten. Für 271 Millionen Pfund übernimmt jetzt die Tata Gruppe die Kontrolle der zweitgrößten Teemarke der Welt, jener weit verzweigte Konzern, der auf dem Subkontinent auch Gewürze und Kaffee, Stahl und Lastwagen, Computersoftware und Seife herstellt. Firmenchef Ratan Tata stach mit seinem Gebot eindeutig die Mitbewerber Sara Lee (Wonderbra) und Nestlé (Nescafé) aus und sieht den Kauf als "den ersten Schritt unserer Globalisierung". Er will jetzt vor allem die Märkte in den USA, im Nahen Osten und Japan aufrollen - ein klarer Fall von Das Imperium schlägt zurück.

Ob die Inder allerdings auch am britischen Tetley-Heimatmarkt Erfolg haben werden, ist offen. Tetley ist auf der Insel nämlich schon seit Jahren von sinkenden Absatzzahlen gebeutelt. Ein Brite trinkt im Durchschnitt immer noch 1000 Tassen Tee im Jahr und damit fünfmal so viel wie Kaffee - aber das sieht bei der jüngeren Generation schon ganz anders aus. Da heißen die Modegetränke Cappuccino, Milchkaffee und Espresso. Daheim sind die Briten zwar mit dem Kaffeekochen überfordert und greifen bevorzugt auf lösliche Produkte zurück - doch außer Haus haben Café-Ketten wie Starbucks Coffee oder Costa Coffee einen unaufhaltsamen Vormarsch begonnen.