Jan Peter Bremer: Feuersalamander

Roman

Berlin Verlag, Berlin 2000

112 S., 28,- DM

Dem Feuersalamander "hing sein ganzes Gedärm platt zum Maul heraus, und er war schon völlig eingetrocknet". Der Feuersalamander ist eine symbolische Fährte im Textlabyrinth. Man kann sich einbilden, ihr zu folgen: Das schöne Tier ist nichts als da und schön und sitzt in einer Fahrrinne. In christlicher Liebe zur Kreatur hebt sie ein Trinker und Streuner aus der lebensgefährlichen Rinne, um sie am nächsten Tag "zermanscht" wiederzufinden.

Dieser betrunkene Lazarus wiederum ist eine Gestalt, die ein Schriftsteller in einem fernen Café kennen gelernt und flugs zu einer Figur seiner Einbildungskraft gemacht hat. Der Betrunkene wird zur gesellschaftlich ausgestoßenen Gestalt der Unschuld, deren Taumel nur die Bewegung des Verachtetwerdens nachstellt. Auch er wird überfahren, in einer Wiederholung jenes rührenden Tierrettungsversuchs. In seinem Blut liegend, hält er eine verletzte Taube in seiner Hand.

Der Schriftsteller, selbst ein extremes Beispiel für jene Spezies der "unglücklichen Affen", als die er die Menschen ansieht, fixiert in jenem betrunkenen Penner eine Idee, die einen "in unbekannte Abgründe stürzt", "eine Idee, die Gott zum Menschen werden läßt". Wie war das noch? Die Schuld von uns zu nehmen, ward er gesandt. Doch die Unschuld ist ein Grenzwert der Imagination und zeigt sich bestenfalls als Schmerz. Sie bleibt Kopfgeburt, und der Schriftsteller hat entsprechend Kopfschmerzen. Er kann nicht schreiben, und das eben lesen wir.