Am Ende der Besichtigung gehen wir in den Keller. Patrick Rafferty steigt als Erster die engen Stufen hinab. Der Hotelkeller ist ein staubiges Gelass.

Patrick holt ein hölzernes Kistchen von einem der Regale. Es ist ein Guckkasten mit einem kreisrunden Loch zum Hineinschauen. Patrick dreht an einem Schalter. Nichts passiert. Er holt einen anderen Kasten und betätigt dessen Schalter. Diesmal geht das Licht drinnen an, und in dem Kistchen erscheint eine Art Autobahnlandschaft mit ineinander verknoteten Asphaltsträngen, sehr putzig und auf bestechende Weise zweckfrei.

Was ist das, Patrick? "Das ist die peep box für eine unserer zehn Themensuiten, die Knot-So-Freeway heißt, ein Wortspiel mit den ewigen Staus in Kalifornien. In jede unserer Suiten hängen wir eine spezielle Box, deren Inhalt mit dem Namen der Suite zusammenhängt. In der Muscle Beach zum Beispiel geht es um die kalifornische Körperkultur, in der Dream Factory um den Glanz von Hollywood, in The Love Shack um die Geschichte der Flower-Power-Bewegung und das besondere Lebensgefühl von San Francisco. Es gibt auch eine motivational suite, in der sich der Gast seinen eigenen Wünschen und Fantasien überlassen soll. Die peep box für diese Suite ist sehr interessant. Hier ... oh, das Licht geht wieder nicht. Leider sind wir mit den Boxen noch nicht fertig. Aber wir haben ja sozusagen auch gerade erst aufgemacht."

Patrick Rafferty ist der Manager des Hotel del Sol in San Francisco, ein drahtiger leitender Angestellter, dessen gute Laune nicht bloß gut gespielt wirkt. Offenbar laufen die Geschäfte blendend im Del Sol, dem kleinen, feinen Drive-in in der Webster Street, einer Seitenstraße der Lombard Street, über die auch der State Highway 101 auf seinem gewundenen Weg durch das Stadtgebiet geführt wird. Der Marina District und Fisherman's Wharf liegen nahebei, die Einkaufsmeilen der Union und Chestnut Street ebenfalls.

Verkehrsmäßig derart günstig positioniert, hat sich das aus einem verlotterten Motel hervorgegangene Del Sol passenderweise der "Huldigung an den kalifornischen Lebensstil" verschrieben.

Jedes der 57 Gästezimmer ist in warmen, freundlichen Tönen gehalten, ockerbraune Holzmöbel paaren sich harmonisch mit grünen und orangefarbenen Schirmlampen, die Tagesdecke im indianischen Stil mit roten, gelben und blauen Streifen und Tupfen lädt zu schlummerndem Verweilen ein. Bunte Kacheln leuchten an den Türen, Korbstühle und Pflanzen sowie gerahmte Kunstwerke des Hausmalers Stephen Lucas (Puzzle Piece, Bold & Beautiful, Fire & Ice) runden den gefälligen Eindruck ab. Drunten im Innenhof lockt, kulturhistorisches Minimum der Kalifornizität, ein keusch glitzernder kleiner Pool.

Das im Juni 1998 eröffnete Del Sol ist die jüngste Neugründung der Joie-de-Vivre-Hotelkette, die sich auf das Geschäft mit so genannten boutique hotels spezialisiert hat. So nennt man kleine und mittlere Häuser, die dem Trend zu immer klotzigeren Hotelkästen durch Gemütlichkeit und inspiriertes Innendesign entgegenzuwirken suchen. Das Bijou etwa, ein allerdings ungünstiger gelegenes Schwesterhotel des Del Sol, bietet einen als Plüschkinosaal hergerichteten Fernsehraum neben dem Foyer und Starfotos in den Zimmern. Hingegen erinnert das Hotel Commodore an einen Luxusliner.