Ein Unternehmer schwitzt über dem Jahresabschluss. Es tritt die Frage auf: Was ist eins plus eins? Sein Steuerberater will den Bundesfinanzhof konsultieren. Auch ein befreundeter Mathematiker vertröstet ihn: zunächst müsse man für das Problem eine Formel entwickeln. Bei seinem Wirtschaftsprüfer endlich stößt der Unternehmer auf offene Ohren. "Eins plus eins? Das haben wir gleich!" meint der Prüfer. "Was soll denn herauskommen?"

(Branchenwitz)

Die Wirtschaftsprüfer haben es schwer. Bis vor kurzem litten sie darunter, dass sich kaum einer etwas Rechtes unter ihrem Beruf vorstellen konnte.

Inzwischen wissen die meisten zumindest, was die Bilanzkontrolleure in der Vergangenheit versäumt haben. Mehrfach haben es die Dienstleister, die sich selbst spöttisch als "Hakelmacher" bezeichnen, in den vergangenen Wochen bis in die Abendnachrichten geschafft. Doch so richtig kann sich keiner in der Branche über die plötzliche Popularität freuen.

Kein Wunder. Stand doch Wirtschaftsprüfer Horst Weyrauch als Finanzberater der CDU wochenlang im Mittelpunkt des Spendenskandals. Seine Berufskollegen vom Stuttgarter Prüfungsriesen Ernst & Young, die Licht in das Kontendickicht bringen sollten, erzeugten wenig Klarheit, dafür umso mehr Stirnrunzeln. Die Schwaben, so monierten Kritiker, hätten den Prüfauftrag gar nicht annehmen dürfen. Schließlich ist Ernst & Young die Mutter der Kölner Gesellschaft Pougin, die seit Jahren die Rechenschaftsberichte der CDU mit ihrem Stempel verzierte.

Auch mit ihren Hauptkunden, den Unternehmen, hatten die Prüfer jüngst häufiger Ärger. So musste sich etwa die Berliner Wirtschaftsprüfung KPMG nach der Fusion der Hypo-Vereinsbank vorwerfen lassen, die Immobilienrisiken bei der alten Hypo unterschätzt zu haben. Vergangene Woche setzte die KPMG dem Streit ein Ende und verpflichtete sich, der Bank einige Millionen Mark Schadensersatz zu leisten. Doch damit sind die Dienstleister noch nicht aus dem Kreuzfeuer: Beim maroden Baukonzern Holzmann und dem Konkurskandidaten FlowTex (siehe Seite 27), wo die Prüfer ebenso zugange waren, wird gleichfalls laut über Schadensersatzforderungen nachgedacht. KPMG - eigentlich soll das Kürzel nach vielen Fusionen den Firmennamen Klynveld Peat Marwick Goerdeler einfacher machen. Doch inzwischen spottet die Branche, die vier Buchstaben stünden für "Keiner prüft mehr genau".

Das alles traumatisiert die Berliner. Zog sich KPMG-Chef Harald Wiedmann zu Beginn der Enthüllungen schon auf eine großzügig ausgelegte "Verschwiegenheitspflicht" zurück, will er jetzt gar nicht mehr mit der Presse reden. Das Unternehmen ringt um seine Identität, wieder einmal. Schon beim Fastzusammenbruch der Metallgesellschaft stand KPMG unter Beschuss.