Die Industriedenkmalstiftung spricht von der "Inszenierung einstiger Wahrzeichen", die Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte von "musealer Erschließung". Ganz gleich, wie die Bemühungen in Nordrhein-Westfalen oder im Saarland umschrieben werden, beide haben dasselbe Ziel. Die Überbleibsel der einst einflussreichen Kohle- und Stahlindustrie sollen neu entdeckt und für die Menschen erlebbar gemacht werden.

Die 1873 gegründete Völklinger Hütte machte das frühere Dorf Ende des 19.

Jahrhunderts zeitweise zur reichsten Stadt des Saarlandes. Doch die Stahlkrise 1975 bedeutete den Anfang vom Ende, elf Jahre später mussten die Hochöfen stillgelegt werden. 1994 wurde die Völklinger Hütte von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Nun sollen Touristen mit einer Vielzahl von Projekten zu dem Industriedenkmal gelockt werden.

In den Abendstunden ziehen vor allem die sechs Hochöfen Aufmerksamkeit auf sich. Weithin sind die künstlerischen Lichtinstallationen zu sehen, die die Öfen in bunten Farben erstrahlen lassen. In der als Ausstellungsraum genutzten Gebläsehalle werden vom 11. März an 100 Zeichnungen von bekannten Playboy-Cartoonisten gezeigt. Zwei Wochen später wird aus Anlass der Expo 2000 in Hannover die Geschichte der Weltausstellungen aus 150 Jahren unter dem Titel Einfach gigantisch - gigantisch einfach dokumentiert. Vom 26. März an wird schließlich das gesamte Gelände der Völklinger Hütte freigegeben.

Können Besucher bis dahin nur in Begleitung den Außenbereich erkungen, warten auf sie ab Ende März neu gestaltete Wege. Dieser Rundgang wird von April an um einen Künstlergarten von Tobias Rehberger bereichert.

In Nordrhein-Westfalen soll das Jahr der Industriekultur 2000 der Vergangenheit neues Leben verleihen. Rund 300 Veranstalter und Akteure in vielen Städten und Gemeinden beteiligen sich an dem Programm. Zu den rund 1000 Veranstaltungen gehört die Wiedereröffnung der bereits im letzten Jahr gezeigten Ausstellung Sonne, Mond und Sterne, die über Kultur und Natur der Energie in der Essener Kokerei Zollverein informiert. Ein Ereignis besonderer Art wartet im Sommer auf die Revierfreunde: Freilichtkino vor stillgelegten Fabriken und Maschinenhallen.

Auch der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) und die Ruhrgebiet Touristik locken Besucher in den neu entdeckten Pott. Im Programm des KVR findet sich nun auch die Emscher-Landschaftspark-Route. Sie verläuft zwischen Duisburg und Bergkamen - durch die ehemals am stärksten verbaute und zerstückelte Kernzone des Ruhrgebietes. Die von der Industrie wieder freigegebenen Brachflächen werden nach und nach renaturiert und miteinander vernetzt. Zwei in Ost-West-Richtung angelegte Radwege verbinden schon heute viele der kleinen Oasen und bieten Erholung inmitten des Ballungsraumes. Eine der neun Alternativen ist die Route der Industriekultur. Sie verbindet die wichtigsten industriehistorischen Bauten und Denkmäler. Dazu gehören die denkmalgeschützte Zeche Zollverein im Essener Norden sowie die Zechensiedlung Teutoburgia in Herne.