Mit meiner Prognose lag ich goldrichtig: Jennie Page, die Direktorin des Desaster-Dome im Stadtteil Greenwich ist gezwungenermaßen über Bord gegangen. Ans Ruder kommt nun der 34-jährige Franzose Pierre-Yves Gerbeau, der mit seinen amerikanischen Methoden Wunder vollbringen soll. P-Y, wie er genannt wird, ist der Mann, der Euro Disney bei Paris auf Vordermann gebracht hat, und jetzt sind alle gespannt, was er mit dem Millennium-Dome anstellt, vor allem weil uns New Labour strikt eingebläut hat, das sei kein Vergnügungspark.

Lediglich zwei Dinge kommen ihm in die Quere - er hat weder Geld noch Zeit.

Der Dome hat nur noch elf Monate Laufzeit - besser gesagt: Humpelzeit -, und weil die Bilanz am Ende plus/minus null sein soll, muss er auf Biegen und Brechen an jedem Einzelnen der verbleibenden Tage für das Publikum geöffnet sein, im Sommer sogar bis spät in die Nacht. Wann sollen die Wunder dann bitte schön vollbracht werden? Was das Geld angeht: Es sind bereits Milliarden in den Dome geflossen. Schon die Forderung nach ein paar Groschen mehr kann die leidgeprüfte Öffentlichkeit zum brandstiftenden Mob machen, der doch noch in den Genuss des besagten (in der Silvesternacht misslungenen) Feuerflusses kommen will - mit Start in Greenwich.

Bleibt leider nur, den Dome zu lassen, wie er ist - eine Kostprobe des Misserfolgs, ein Schrein der Demütigung. Soll der Premier doch mit seinen Kabinettsmitgliedern täglich auf der Freitreppe der Königlichen Börse erscheinen, damit der Dome am Ende doch noch Gewinn macht durch den Verkauf matschiger Riesentomaten, mit denen alle beworfen werden (unsere verarmten Bauern könnten die Lieferung bewerkstelligen). Soll Jennie Page doch ganz real über Bord gehen bei einer exzellenten Disney-Piraten-Show. Und jeder, der an dem Monument der Eitelkeiten mitgewirkt hat, sollte per Live-Zuschaltung dreimal täglich an den Pranger. Das wäre eine Show, die Hintern an die Sitze fesselt.

ÜBERSETZUNG REGINE REIMERS FOTO HARRY BORDEN/ AGENTUR FOCUS Julie Burchills Buch Verdammt, ich hatte Recht ist bei Rowohlt erschienen.